Studiokino der AG Stadtkino e.V. im Schönborner Hof (Institut Français)

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Spielplan Kultursommer 2010


1. Einführung
2. Mai-Programm Tag für Tag unten
3. Juni unten

Logo Kultursommer „Über Grenzen“
vom 6. - 26. Mai und ab 1. Juni 2010 im CinéMayence, Mainz

Das Kommunale Kino CinéMayence thematisiert im Mai und Juni das Kultursommer-Motto "Über Grenzen". Dabei geht es um politische, geographische, persönliche, mediale und künstlerische Grenzen wie auch Grenzüberschreitungen.

Im ersten Teil der Veranstaltungsreihe (im Mai) stehen drei aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme auf dem Programm:
Im italienischen-okzitanischen Spielfilm »Der Wind zieht seinen Weg« (6. - 12.05.) geht es um einen französischen Lehrer, der entlegenen Bergwelt der italienischen Alpen als Schäfer nach einem Leben im Einklang mit der Natur sucht und dabei von den okzitanisch sprechenden Dorfbewohner misstrauisch beobachtet wird.
Im deutsch-japanischen Spielfilm »Der rote Punkt« (13. - 19.05.) sucht eine Japanerin aus Tokio im Allgäu nach der Stelle, an der ihre Eltern verunglückt sind. Ost stößt auf West und kontemplatives Zen-Kino auf westliches Figurendrama.

Der Dokumentarfilm »Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen« (20. - 24.05.) zeigt wie sechs verschiedene christliche Konfession in der Grabkirche von Jerusalem Grenzen überschreiten und sich trotz ihrer Unterschiede arrangieren müssen. Denn sie müssen diesen heiligsten Ort der Christenheit auf kleinstem Raum miteinander teilen, was zum Teil zu tragischen und gleichzeitig absurden Situationen führt.


Im zweiten Teil der Veranstaltungsreihe stehen mehrere Spiel- und Dokumentarfilme sowie Vorträge, Präsentationen und Gespräche mit Filmemachern auf dem Programm:

In einer kleinen Reihe mit Filmen von Olivier Assayas, der am 1. Juni anwesend ist, zeigen wir in Kooperation mit dem Institut Français als dt. Kinopremiere »L’Heure d’été« (1. - 4.6.) und »Irma Vep« (5. - 7.6.).

Parallel zur Ausstellung »grenzlinien« zeigen wir das Flüchltingsdrama »Welcome« (3.6.)

In Kooperation mit Unicef folgen zwei Dokumentarfilme zum Thema Kinder in Grenzsituation: »Buddha’s Lost Childen« (9. + Im 11.6.) und »Kleine Wölfe« von Justin Peach, der an der FH Mainz produziert wurde (10.6.)

Im Dokumentarfilm »Auf der sicheren Seite« (12. - 23.06.) geht es um „Gated Communities“, also abgegrenzte Wohnviertel, auf drei Kontinenten. Am 12. Juni ist die Regisseurin Corinne Wichmann anwesend.

Zwei Vortragsveranstaltungen mit Beispielen behandeln mediale Grenzüberschneidungen: »Film online & Web 2.0« (24.6.) und »Zwischen Black Box & White Cube« (1.7.) über Film zwischen Kino und Kunstausstellung.

Am 30.6. sind Kurzfilm-Preisträger des Wettbewerbs »Grenzüberschreitungen« zu sehen.

Last not least stellt am 2.7. die ARTE-Redakteurin Maija-Lene Rettig das Magazin »Karambolage« vor, in dem es um kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich geht.

Die Programmreihe „Über Grenzen“ wird gefördert von Kultursommer Rheinland-Pfalz e.V.


Mai Programm Tag für Tag
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Standfoto aus Der Wind zieht Do, 6. – Mi, 12. Mai 20:30 h
Kultursommer »Über Grenzen« / Italienisches Kino
»Il vento fa il suo giro (Der Wind zieht seinen Weg)«
Spielfilm von Giorgio Diritti
D: Thierry Toscan, Alessandra Agosti, Dario Anghilante, Giovanni Foresti, Caterina Damiano u.a.
Italien 2006, 35mm, 110 Min, italienisch-okzitanische OmU
(Publikumspreis der Cinema Italia Tournee 2008)

INHALT: Chersogno, ein idyllisches Dorf in der wilden Bergwelt der italienischen Alpen. Das Leben hier ist ursprünglich, die überwiegend älteren Einwohner sprechen noch den okzitanischen Dialekt und halten sich mit Sommer-Tourismus über Wasser. Hierhin zieht es den französischen Schäfer Philippe mit seiner Familie und seiner Ziegenherde. Der ehemalige Lehrer ist auf der Suche nach einem neuen Leben im Einklang mit der Natur. Anfangs werden Philippe und seine Familie herzlich begrüßt, zumal Philippe ganz hervorragenden Käse produziert. Doch bald schlägt die Stimmung in dem kleinen Dorf in Neid, Misstrauen und Intoleranz um. Das Zusammenleben der „Neuen“ und der „Alten“ wird immer schwieriger. …
»Trotz aller Widrigkeit stimuliert Philippe die Vision eines anderen Lebens, er ruft unbewusst die alten Traditionen des Dorfes ins Gedächtnis zurück und unterminiert die versteinerten sozialen Verhältnisse. Daher ist die „Vielfalt der Lebensweisen“ ein Schlüsselelement dieser Geschichte – vermeintliche Sicherheiten und Überzeugungen ins Wanken zu bringen, Dinge in Bewegung zu bringen und Menschen zu verändern. Jede Gemeinschaft, die unfähig ist, Konfrontationen auszuhalten und davon zu lernen, ist zur Erstarrung verurteilt. Jenseits davon beginnt das Leben.« (Giorgio Diritti)

Standfoto aus Der Wind zieht KRITIK: »Eine fiktive Geschichte, die aber fast wie eine Dokumentation wirkt. Ein mit sicherer Hand inszenierter, ebenso unterhaltsamer wie nachdenklich machender Film über den Zusammenstoß zweier Kulturen in einer isolierten Gemeinschaft. Abwechselnd komisch, anrührend und auch zornig machend, zeigt Dirittis Film subtil die unterschwelligen Spannungen zwischen den Menschen in diesem eng verwobenen Mikrokosmos des Dorfes und bezieht zugleich die gewaltige Berglandschaft ein, mit atemberaubenden Bildern im Wandel der Jahreszeiten.« (Adrian Wootton, British Film Institute).

Hintergrund: Okzitanisch ist eine sehr alte Sprachgruppe, die in ihrer heutigen Ausdehnung den Süden Frankreichs („Provenzalisch“), ein Tal in den Pyrenäen und 13 Alpentäler in Italien umfasst, darunter das Maira-Tal. In den entlegenen Tälern hat sich die Sprache, die auch als „Langue d’Oc“ bekannt ist und schon von Dante wegen ihrer poetischen Schönheit gerühmt wurde, seit Jahrhunderten kaum verändert. Das Maira-Tal, die Heimat von Bauern und Ketzern, Künstlern und Kleinhändlern, war der ideale Drehort für den Film, auch dank der aktiven Mitarbeit der Bevölkerung. Durch die Möglichkeit, im Film ihre Muttersprache zu sprechen, fanden sich die Einwohner in der Geschichte wieder und unterstützten das Projekt bereitwillig, auch indem sie authentische Requisiten, Kleider etc. zur Verfügung stellten. Die Bewegung für den Erhalt der kulturellen Identität und der okzitanischen Sprache findet gegenwärtig immer mehr Widerhall. Der langfristige Erfolg wird jedoch davon abhängen, ob es gelingt, die jüngeren Leute in den Tälern zu halten oder neue Einwohner zu finden.



Standfoto aus Der rote Punkt Do, 13. – Mi, 19. Mai 20:30 h
Kultursommer »Über Grenzen« / Deutsch-japanisches Kino
»Der rote Punkt«
Spielfilm von Marie Miyayama
D: Yuki Inomata, Hans Kremer, Orlando Klaus, Zora Thiessen, Mikiko Otonashi, Shinya Owada, Toru Minegishi, Yashiba Toshihiro u.a.
D 2008, 35mm Scope, 82 Min, dt. OF (teilweise japanische OmU)
(Förderpreis Deutscher Film Int. Hofer Filmtage 2008 / William Dieterle Filmpreis 2009 / Publikumspreis Festival des deutschen Films Ludwigshafen 2009)

INHALT: Die junge Japanerin Aki entdeckt in der Abstellkammer ihres Elternhauses ein Paket aus Deutschland. Darin findet sie einen alten Fotoapparat, in dem noch ein Film steckt, einen Brief und eine Landkarte, auf der ein roter Punkt eine Stelle im Ostallgäu markiert. Sie fliegt von Tokio nach Deutschland, um diesen Ort zu finden.
Im idyllischen Allgäu wird sie von der Familie Weber spontan als Gast aufgenommen. Der junge Elias Weber hilft ihr bei der Suche nach der markierten Stelle. Dort soll sich ein Gedenkstein zum Andenken an Akis Familie befinden, die vor 18 Jahren tödlich verunglückt ist. Die Suche führt zu Spannungen in der Familie Weber und zum Streit zwischen Vater und Sohn. Auch sie müssen sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Wie im Mittelpunkt eines Taifuns reagiert Aki sehr ruhig und sicher. Aus ihrer Tradition heraus weiß sie, welche Rituale jetzt wichtig sind und ihr die innere Ruhe geben.

Standfoto aus Der rote Punkt KRITIK: »Wenn Aki in der ländlichen Idylle Süddeutschlands mit stoischer Gelassenheit ihre Familiengeschichte ergründet und so zur Vollständigkeit findet, zeigt der Film ein stark asiatisch geprägtes Verständnis vom Leben im Gleichgewicht. Szenen wie Akis imaginäres Picknick mit ihrer toten Familie oder eine Einstellung, in der sie sich die Lippen rot bemalt, spielen mit japanischer Ahnentradition, Identitätsfindungsprozessen und universellen Motiven wie der Frage nach Schicksal oder Schuld und Sühne. Während dabei die junge Japanerin gleich- und demütig ihr Erleben akzeptiert, mit der Vergangenheit abschließt und vergibt, bilden die angespannten, sich bis zum kathartischen Höhepunkt entwickelnden Männerfiguren einen guten Gegensatz zwischen kontemplativen Zen-Kino und klassisch westlichem Figurendrama.
Wie nebenbei hat die Regisseurin Marie Miyayama (die gebürtige Japanerin hat in Deutschland studiert) mit ihrem Film auch eine subtil inszenierte Begegnung zwischen Ost und West geschaffen (...) Gekonnt wendet "Der rote Punkt" am Ende die Identitätssuche einer jungen Frau in eine bewegende Reflexion über kollektivistisches Bewusstsein und das psychische Bedürfnis nach Harmonie und Gleichgewicht.« (3sat Kulturzeit, 20.05.09)

Offizielle Filmseite: http://www.derrotepunkt-derfilm.de
Homepage der Regisseurin: http://www.mariemiyayama.de



Standfoto aus Im Haus meines Vaters Do, 20. – Mo, 24. Mai 20:30 h
Kultursommer »Über Grenzen« / Jerusalem
»Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen«
Dokumentarfilm von Hajo Schomerus
Mit: Vater Afrayem Elorashalim, Bruder Jayaseelan, Vater Samuel Aghoyan, Abuna Gebreselassie Tesfa, Patriarch Theophilos III., Pater Robert Jauch, Wajeeh Nusseibeh und Abdilkadr Joudeh
D/CH 2010, 35mm Scope, 89 Min, OmU

Standfoto aus Im Haus meines Vaters INHALT: In der Grabeskirche in Jerusalem leben sechs christliche Konfessionen Tür an Tür unter einem Dach: griechisch-orthodoxe Christen, römisch-katholische Christen, syrische Christen, armenische Christen, äthiopische Abessinier und ägyptische Kopten. Eine muslimische Familie verwahrt den Schlüssel zur Kirche und schließt die Haupttür morgens auf und abends wieder zu. In diesem Status Quo befindet sich die Kirche seit der osmanischen Zeit. Die einzelnen Glaubensgemeinschaften wachen verbissen über die ihnen zugeteilten Anteile und beobachten eifersüchtig die Anderen. Die Abessinischen Christen, die ihren Platz in der eigentlichen Kirche verloren haben, quartierten sich kurzerhand auf dem Dach der Kapelle ein, die koptischen Christen, die den Haupteingang des Grabes nicht benutzen dürfen, bauten sich eine kleine Kapelle an der Rückseite der Grabkammer und die Griechisch-Orthodoxen verteidigen rauhbeinig den Vordereingang. Zu hohen Festtagen kommt es manchmal zu absurden Schlachten religiöser Leidenschaft, die Prozessionen geraten sich gegenseitig in die Quere und Gläubige aus aller Welt verkeilen sich untereinander. Aber nachts, wenn die unfreiwillige Wohngemeinschaft in der Kirche eingeschlossen ist, beten die Mönche vor dem Grab. Dann verwandelt sich die Kirche in einen mystischen Ort der Hingabe und Sehnsucht nach erfülltem Glauben.

Standfoto aus Im Haus meines Vaters »Die Teilung der Kirche, die immerhin der heiligste Ort für einen großen Teil der Christenheit ist, ist eine Tatsache, die tragisch und gleichzeitig absurd ist. Hier offenbart sich eine Tragödie: Die utopistische christliche Vision einer besseren Welt trifft auf ein urmenschliches Dilemma – die Sehnsucht, fromm und gut zu sein, und das gegensätzliche, aber sehr menschliche Bedürfnis, als erster in der Schlange zu stehen.« (Hajo Schomerus)

KRITIK: »Nicht alle Dokumentarfilme, die man im Kino sieht, sind dort auch am besten aufgehoben. "Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen" aber darf sich dort zu Hause fühlen. Schon mit den ersten Bildern füllt sich die Leinwand augenblicklich mit der staubigen Luft eines wahrhaft lebendigen Bauwerks. Und wahrscheinlich sind es weniger die Gebete als die Gefechte untereinander, die für diese Lebendigkeit sorgen.« (Daniel Kothenschulte, FR-online)

Offizielle Filmseite: http://www.imhausmeinesvaters.x-verleih.de
Presseseite (Text, Bilder, Töne): http://www.x-verleih.de/x-verleih/kino_pressinfo.jsp?movieid=83

Di, 25. Mai bis Mi, 2. Juni
Französisches Filmfestivals für junge Leute
Cinéfête 10
http://www.cinemayence.de/cinefete.html

Juni-Programm

Standfoto aus Heure d'ete Di, 1. Juni – Fr, 4. Juni 20:30 h (am 2. Juni: 18 Uhr)
Kultursommer „Über Grenzen“ / Olivier Assayas / Deutsche Kinopremiere
»L’Heure d’été«
Spielfilm von Olivier Assayas, F 2008, 35mm 1:1,85, 100 Min, OmU
D: Juliette Binoche, Charles Berling, Jérémie Renier, Edith Scob, Dominique Reymond u.a.

INHALT: Es ist Sommer. Hélène Berthier feiert ihren 75. Geburtstag im alten Landhaus der Familie gemeinsam mit ihren Kindern und Enkel. Hélène Berthier hat ihr Leben den Kunstwerken verschrieben, die ihr der Maler Paul Berthier hinterlassen hat. Wenige Wochen nach der Feier verstirbt Hélène und unter ihren drei Kindern beginnt eine Diskussion um das Erbe ...

KRITIK: »Auf dem ersten Blick erzählt L’Heure d’été eine klassische Familiengeschichte in einer wundervollen Präsentation. Der Film besticht mit seiner traumhaft-schönen Bildkomposition und seinem fantastischen Setting. Das Who is Who der französischen Schauspiel-Elite liefert hier eine glanzvolle Ensemble-Leistung ab. Thematisch bedingt schreitet die Geschichte nur in einem äußerst beschaulichen Tempo voran und bietet nur wenige dramaturgische Highlights. Die Erbfrage und ihre Folgen für Adrienne, Frédéric und Jérémie sind dabei das vorherrschende Leitmotiv. Adrienne, Rebellin und Künstlerin, möchte der Last des Familienerbes entgehen. Jérémie, Vorzeigemanager in China, interessieren lediglich die finanziellen Möglichkeiten, die sich durch das Erbe ergeben. Frédéric, der als Einziger noch in Frankreich geblieben ist, möchte das kulturelle Erbe der Familie auch für seine Kinder konservieren.

Standfoto aus Heure d'ete Gerade im Subtext dieses Films konstruiert Assayas ein hoch-aktuelles, generationsübergreifendes Familienportrait, das bewusst die Auswirkungen von Globalisierung und dem Verlust der familiären Identität in seinen Kontext miteinbezieht. Ähnlich wie Laurent Cantet in ENTRE LES MURS entwickelt Assayas einen eigenen kleinen Mikrokosmos in dem sich seine Geschichte abspielt. Doch die Aussage seines Films ist universell: Kinder spüren die Auswirkungen einer Gesellschaft, die ihrer kulturellen Verantwortung in Zeiten von Globalisierung und wirtschaftlichen Fortschritt den Rücken kehrt, am Schnellsten.« (David Rams, movienerd.de)
»Es ist ein Film wie von Tschechow, aber für das 21. Jahrhundert: ein Elternhaus am Land, prall gefüllt mit Erinnerungen, Kunstwerken und den Spuren intensiv gelebten Lebens, die plötzlich den Bedürfnissen der Überlebenden, der jüngeren Generation, dem doppelten Druck von Musealisierung und Globalisierung ausgesetzt sind.« (Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum)

Hintergrund: Der Anstoß zu L’HEURE D’ÉTÉ kam Olivier Assayas aufgrund einer Initiative zum 20-jährigen Jubiläum des Musée d’Orsay Filme über Kunstwerke zu drehen.

Offizielle Filmseite (frz): www.lheuredete-film.mk2.com/
In Kooperation mit dem Institut français

Der Regisseur Olivier Assayas wird zur Vorstellung am 1. Juni im CinéMayence erwartet (bitte beachten Sie die Hinweise auf unseren Internetseiten)


Standfoto aus Welcome zusätzlich am frühen Abend: Do, 3. Juni, 18 Uhr
Kultursommer „Über Grenzen“ / zur Ausstellung „grenzlinien“ am Rheinufer
»Welcome«
Spielfilm von Philippe Lioret, F 2009, 35mm, 109 Min, OmU
D: Vincent Lindon, Firat Ayverdi, Audrey Dana, Derya Ayverdi, Thierry Godard u.a.

INHALT: Seit über drei Monaten ist der kurdische Teenager Bilal schon auf der Flucht. Zu Fuß schaffte es der 17-jährige auf abenteuerlichen Wegen vom Irak durch ganz Europa bis an den Ärmelkanal. Er hat sein Land verlassen, nachdem seine Freundin Mîna kurz zuvor nach England emigriert ist, um sie wiederzusehen und um in England eine Fußballkarriere zu starten. Doch an der Nordküste Frankreichs nimmt seine Reise ein abruptes Ende. Hier geht es für ihn nicht weiter. Bilal und seine Freundin trennt nun, mitten in der kalten Jahreszeit, der von starkem Nordwestwind aufgewühlte Ärmelkanal.
Kurzentschlossen sucht der Junge das örtliche Hallenbad auf, um das Schwimmen zu trainieren. Hier lernt er den Bademeister Simon kennen, einen ehemaligen Topschwimmer, der jetzt vom Unterrichten lebt. Simon lebt gerade in Scheidung, liebt seine Frau Marion aber immer noch und würde sie gerne zurückgewinnen. Er freundet sich mit Bilal an, der ihm schließlich von seinen Absichten berichtet: Heimlich unterrichtet er den jungen Kurden im Kraulen …

Standfoto aus Welcome ZUR AUSSTELLUNG: Im Rahmen des Kultursommers RLP werden Überseecontainer als temporäre Ausstellungsräumlichkeiten am Mainzer Rheinufer (Adenauer Ufer nähe Theodor-Heuss-Brücke) aufgestellt. Der Ort steht mit seinem internationalen Warentransit für die Bewegung von Gütern und damit auch Vorstellungen und Weltanschauungen. Dem diesjährigen Kultursommer Motto "Über Grenzen" folgend, thematisieren die künstlerischen Arbeiten kulturelle und geografische, aber auch persönliche Grenzziehungen und Vermischungen. Dies zeigt sich auch in der vielfältigen Arbeitsweise der eingeladenen Künstler, die in (Video-) Installationen, Fotografie, Collage, Performance und plastischen Arbeiten den Assoziationsraum eingrenzen. Zusätzlich wird ein reichhaltiges Rahmenprogramm an kulturellen Veranstaltungen wie Konzerten und Gesprächen geboten (Kurator: Raul Gschrey).

Offizielle Filmseite: www.welcome-derfilm.de
Seite des Ausstellungsprojekts: www.pro-these.com/grenzlinien/


Standfoto aus Irma Vep Sa, 5. – Mo, 7. Juni 20:30 h
Kultursommer „Über Grenzen“ / Olivier Assayas
»Irma Vep«
Spielfilm von Olivier Assayas, F 1996, 35mm, 96 Min, OmU
Musik: Ry Cooder, Serge Gainsbourg u.a.; D: Maggie Cheung, Jean Pierre Léaud, Nathalie Richard, Bulle Ogier, Lou Castel u.a.

INHALT: Eine Chinesin in Paris: Die gefeierte Hongkong-Filmdiva Maggie Cheung (die sich hier selbst spielt) trifft per Flugzeug in Paris ein, um das erste Mal in einem europäischen Film mitzuwirken. Der seit längerer Zeit eher erfolglose Ex-Nouvelle-Vague-Regisseur René Vidal (Jean-Pierre Léaud) hat sie für die Hauptrolle der geheimnisvollen Bandenchefin Irma Vep in einem Remake der legendären Stummfilmserie LES VAMPIRES engagiert. Doch die in zahlreichen Hongkong-Actionfilmen gestählte Maggie muss feststellen, dass das europäische Autorenkino auch so seine Tücken hat. Die Dreharbeiten werden jedenfalls von Anfang an von Chaos und Pannen überschattet, Regisseur René entpuppt sich immer mehr als egomanes Nervenbündel, der aus Maggie eine Art Catwoman machen will und sie als erstes in einen zwar hautengen, aber unbequemen Latex-Anzug steckt. Während daraufhin die lesbische Maskenbildnerin unverhohlene erotische Gefühle entwickelt und die dolmetschende Regieassistentin mehr Missverständnisse heraufbeschwört als ausräumt, droht am Set alles zu eskalieren. Maggie gerät in ein Labyrinth von unkontrollierbaren Ereignissen ...

Standfoto aus Irma Vep KRITIK: »Mit viel Witz, Spannung und Selbstironie erzählt IRMA VEP von den bizarren Abenteuern Maggies, der es zunehmend schwerer fällt, die Contenance zu wahren. Für den Regisseur Olivier Assayas, einer der profiliertesten Filmemacher der jüngeren Generation in Frankreich, ist IRMA VEP seine erste Komödie. Ein wenig auf den Spuren von Truffauts AMERIKANISCHER NACHT reflektiert er leichthändig und temporeich über das Metier des Filmemachens, wobei die Kluft zwischen europäischem Kunst- und chinesischem Action-Kino am Ende dann doch nicht so riesengroß erscheint ...«
»Olivier Assayas Film ist eine persönliche Bestandsaufnahme zum Filmemachen in Frankreich. Mit fast dokumentarischem, nichts beschönigendem Blick, mal in ironischem, selten auch in sarkastischem Tonfall zeigt er die alltäglichen Niederträchtigkeiten und den Abgrund zwischen gängiger Verklärung und Realität der Filmproduktion.« (Lexikon des internationalen Films)

Hintergrund: Assayas Film ist unter anderem eine Hommage an LES VAMPIRES von Louis Feuillade (1915), in dem die Artistin Musidora in hautengen schwarzen Kleidern eine Juwelendiebin spielt (Irma Vep ist ein Anagram des Wortes Vampire).
Der Film stellt außerdem das französisch/europäische Kino dem amerikanischen Kino und dem asiatischen Actionfilm gegenüber. Die Hauptdarstellerin Maggie Cheung wurde durch Filme aus Hong Kong bekannt, sie spielte u.a. in Johnnie To’s THE HEROIC TRIO (1993) eine der drei kämpfenden, fliegenden Frauen.


Standfoto aus Buddhas lost children Mi, 9. + Fr, 11. Juni 20:30 h
Kultursommer „Über Grenzen“ / Kinder in Thailand und Myanmar
»Buddha’s Lost Children«
Dokumentarfilm von Mark Verkerk, NL 2006/2009, DVD, 96 Min, Thai mit dt. Voice-over
Musik: Somtow Sucharitkul

INHALT: Im Herzen des Goldenen Dreiecks zwischen Thailand und Myanmar, einer unzugänglichen, von Armut geprägten Bergregion ist der buddhistische Mönch Phra Khru Bah eine Berühmtheit. Im „Tempel des Goldenen Pferdes“ nimmt der ehemalige Thai-Boxer verlassene Kinder auf, die von skrupellosen Rauschgifthändlern zum Drogenschmuggel missbraucht wurden und die Verfolgung durch die Junta in Myanmar überlebt haben. Phra Khru Bahs einzige Waffen im Kampf gegen die Drogenmafia sind dabei sein Charisma, sein Glaube und der Kampfsport. Durch sein Mitgefühl, Meditation und Martial-Arts-Übungen finden die Novizen im Alter von sieben bis sechzehn neuen Halt und werden zu selbstsicheren und tatkräftigen Menschen.

KRITIK: In überwältigenden, zugleich einfühlsamen Bildern ist BUDDHA’S LOST CHILDREN das intime Porträt einer ungewöhnlichen Tempelgemeinschaft und eine Reise in eine verborgene Welt. Für die mehrfach preisgekrönte Dokumentation teilte der Autor und Regisseur Mark Verkerk über ein Jahr das Leben auf dieser von Elend und Gewalt umgebenen Insel des so genannten „Graswurzel-Buddhismus“.

Standfoto aus Buddhas lost children STATEMENT DES REGISSEURS: »Mein Ziel war es, die Natur des buddhistischen Mitgefühls zu studieren – und was es bedeutet, nach seinen Geboten zu leben. Ich wollte herausfinden, wie sich das auf den Alltag auswirkt und ihn über einen längeren Zeitraum mit der Kamera begleiten. Im Westen gilt Mitgefühl ja oft als etwas Passives und Hinderliches. Für Khru Bah – eine Art Rambo in safranfarbener Kutte, der mein Klischee mönchischer Weltabgewandtheit stark erschüttert hat – ist es jedoch die Grundlage seines Handelns.«

AUSZEICHNUNGEN: American Film Festival, Los Angeles: Grand Jury Prize for International Documentary; DOK Leipzig: Silberne Taube; Nederlands Film Festival, Utrecht: Kristallen Filmprijs; Asiaticafilmmediale, Rom: City of Rome Award; Newport Beach Film Festival, Kalifornien: Jury Award for Best Documentary; Jackson Hole, Wyoming: Best Global Insight Film Award; Wine Country Film Festival, Kalifornien: David L. Wolper Best Documentary Award; European Spiritual Film Festival, Paris: Best European Spiritual Film und Best Spritual Documentary
In Kooperation mit UNICEF-Arbeitsgruppe Mainz Unicef

Offizielle Filmseite: www.buddhaslostchildren.de

Standfoto aus Kleine Woelfe Do, 10. Juni 20:30 h
Kultursommer „Über Grenzen“ / Kinder in Nepal / Filmemacher anwesend
»Kleine Wölfe«
Dokumentarfilm von Justin Peach & Lisa Engelbach, D (Mainz) 2009, Video, 48 Min, Nepali mit dt. Untertiteln
Betreuung: Prof. Harald Pulch

INHALT: Zusammen mit acht anderen Kindern lebt der elfjährige Sonu auf den Straßen von Kathmandu. Ihr Alltag in der chaotischen Hauptstadt ist ein routinierter Kampf ums Überleben: immer auf der Suche nach Essen, Drogen, leichtgläubigen Touristen und vor allem – wie kleine Jungs nun einmal sind – nach Spaß und Abenteuer. Das Leben von Sonu und seinem Rudel ist geprägt von Gewalt und Abhängigkeit, aber auch von glücklichen, kindlichen Momenten der Freiheit auf der Straße.
Der Film ist nach Direct Cinema Art gedreht. Kein Sprecher, keine Musik, keine Inszenierung. Ich wollte den Alltag eines Straßenkindes in Kathmandu verstehen. Chronisten sind die Kids selbst (Justin Peach).

Standfoto aus Kleine Woelfe AUSZEICHNUNGEN: Deutscher Nachwuchs Filmpreis 2009; Bester Film - Preis der Landeszentrale für politische Bildung; Bester Film - Dokuslam Mainz 2009 FESTIVALTEILNAHMEN: Rencontres Paris - Berlin - Madrid 2009; Exground 2009

Über Justin Peach: Geboren 1982 im texanischen El Paso. Erste Film- und Fernseherfahrungen als Hospitant beim ZDF, durch Praktika beim SWR und bei Maran Film. Ab 2003 Studium an der Fachhochschule Mainz im Fachbereich Medien-Design. 2005 Gründung von Peng – Gesellschaft zur Förderung von Design, Kunst und Kommunikation. Diplomabschluss als Medien-Designer an der Fachhochschule Mainz 2008 mit dem Dokumentarfilm „Kleine Wölfe“. Seit Ende 2008 Masterstudiengang Journalismus an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.

Über Lisa Engelbach: Mediendesign-Studentin an der Fachhochschule Mainz, Schwerpunkt: Drehbuch/Dramaturgie

Anschließend Gespräch – Filmemacher anwesend!

Filmseite: www.justinpeach.de/kleinewoelfe/

Standfoto aus Auf der sicheren Seite Sa, 12. – Mi, 16. Juni 20:30 h
Kultursommer „Über Grenzen“ / Gated Communities / Filmemacher anwesend
»Auf der sicheren Seite«
Dokumentarfilm von Corinna Wichmann und Lukas Schmid, D 2009, 35mm, 80 Min, OmU

INHALT: Seit 2007 lebt die Mehrheit der Menschen weltweit in Städten. Vor allem dort, wo Arm und Reich weit auseinander liegen, hat diese Entwicklung verheerende Folgen. Die Stadtverwaltungen verlieren unter den neuen, extremen Bedingungen ihre Kontrollfunktion. Sie schaffen es nicht, das Wachstum zu steuern, und auch die Sicherheit der Bevölkerung können sie nicht mehr gewährleisten.
Hohe Mauern, Elektrozäune und private Sicherheitsdienste scheinen die Antwort der höheren Einskommensklassen auf diese Probleme zu sein – egal wo auf der Welt. Wer es sich leisten kann, zieht sich in sogenannte „Gated Communities“ zurück – weitläufige Areale im städtischen Raum, die von Mauern umschlossen und nur für ihre Bewohner zugänglich sind. Hier wird ein Leben „auf der sicheren Seite“ garantiert.

Der Film AUF DER SICHEREN SEITE portraitiert drei exklusive Gated Communities auf drei Kontinenten. Wir treffen Brenda in ihrer Community Dainfern. Sie ist Immobilienmaklerin in Johannesburg / Südafrika, der Stadt mit einer der höchsten Mordraten der Welt. Während Bangalore im Süden Indiens im Chaos versinkt, begleiten wir Mr. Misra durch seine Community Palm Meadows. Mr. Misra ist ein indischer Familienvater und erfolgreicher Unternehmer, der versucht, den Verkehrskollaps in Bangalore mit politischen Konzepten aufzuhalten. In Las Vegas lernen wir Stacy kennen, der in seiner glamourösen und exklusiven Community Spanish Trail nach wirklichen Freunden sucht.

Standfoto aus Auf der sicheren Seite KOMMENTAR: AUF DER SICHEREN SEITE macht nicht nur deutlich, dass der städtische Raum sich mehr und mehr privatisiert. Er zeigt auch, welche große Rolle dabei verschiedene ungelöste gesellschaftliche Konflikte wie Apartheid, Kastensystem und große Einkommensunterschiede spielen. Wie Unterschiede von Herkunft, Zukunfts- und Überlebenschancen im wahrsten Sinne zementiert werden, dokumentiert der Film auf anschauliche und spannende Weise.

Corinne Wichmann HINTERGRUND: Gated Communities sind bewachte Wohnanlagen für die gehobene Mittelschicht oder Oberschicht, die meist durch einen Zaun oder eine Mauer vom Rest der Gesellschaft abgeschottet werden. Die Größe der Anlagen variiert von einigen separierten Wohneinheiten bis hin zu komplexen Siedlungen für bis zu 100 000 Einwohner, die über eine eigene Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Krankenhäusern verfügen. Die erste Gated Community wurde um 1850 in den USA gegründet, mittlerweile leben über 10 Millionen Amerikaner in bewachten Wohnanlagen. Neben den Vereinigten Staaten finden sich Gated Communities vor allem in Ländern mit erheblichen sozialen Ungleichgewichten, etwa Südafrika, Brasilien, Argentinien oder anderen ehemaligen Kolonialstaaten. Seit Mai 2008 ist die erste Gated Community in Deutschland, die in Potsdam errichtete Arcadia, komplett ausverkauft. (Alexander Kruse)

Offizielle Filmseite: www.realfictionfilme.de/filme/auf-der-sicheren-seite/

Anschließend Gespräch mit Corinna Wichmann (Co-Regisseurin)!

Do, 17. – Mi, 23. Juni
Japan-Woche 2010 in Mainz
Filmkunst, Kunst, Musik und Literatur aus und über Japan

URL: www.kino-mainz.org/Japan-Woche/


Film online Do, 24. Juni 20:30 h
Kultursommer „Über Grenzen“ / Mediale Grenzüberschreitungen / Vortrag & Präsentation
»Film online & Web 2.0«
Vortrag und Präsentation von Reinhard W. Wolf

INHALT: Einführungsvortrag mit Beispielen zu neuen Entwicklungen jenseits des Kinos: digitales Kino, User Generated Content, Video-on-Demand, Mobile Content, Re-Mixes im Web 2.0
Zur Sprache kommen unter anderem folgende Themen:
– Qualitätskrise bei Plattformen mit user generated content
– Internet als Distributionsplattform für Filme
– Geschäftsmodelle - Finanzierung von Online-Angeboten
– Digitaler Autorenfilm im Internet
– Netzweite kollaborative Filmprojekte

Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an: allgemeine, neugierige Öffentlichkeit; Studierende der Fachbereiche Medien, Film, Kunst; Pädagogen und Multiplikatoren.

Eintritt frei - Spende erwünscht („crowd funding“)

+++ Fr, 25. – Mo, 28. wegen Johannisfest und Di, 29. wg WM geschlossen +++

Grenzueberschreitungen Mi, 30. Juni 20:30 h
Kultursommer „Über Grenzen“ / Kurzfilm-Preisträger
»Grenzüberschreitungen«
Kurzfilme aus 11 Ländern, DVD, ca. 140 Minuten
Ausrichter: Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (evz) und Goethe-Institut
Betreuer: Marcel Lozinski, Dorota Roszkowska, Bettina Böhler

Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und das Goethe-Institut schrieben 2008 gemeinsam den 3. Internationalen Kurzfilmwettbewerb aus, der diesmal unter dem Thema „Grenzüberschreitungen“ stand.

Junge Filmemacherinnen und Filmemacher waren aufgerufen, sich filmisch mit den Hinterlassenschaften der geografischen und zivilisatorischen Grenzüberschreitungen von 1939 sowie den gesellschaftlichen Folgen von 1989 auseinander zu setzten. Gefragt wurde danach, wie weit mit dem Ende es Kalten Kriegs die Kluften von 1939 überwunden und welche Impulse des gesellschaftlichen Aufbruchs für unsere Gegenwart initiiert wurden. Der Wettbewerb richtete sich an Studierende von Filmhochschulen oder vergleichbaren Einrichtungen in Belarus, Deutschland, Estland, Israel, Lettland, Litauen, Polen, Russland, Tschechien, in der Ukraine und den USA.

Grenzueberschreitungen Aus den 335 eingereichten Exposés wurden 33 Entwürfe von den jeweiligen Länderjurys zur Realisierung ausgewählt und mit maximal 4.000 Euro unterstützt. Bis Anfang Juni 2009 dauert die Produktion der Filme. Die jeweiligen Länderjurys haben aus den fertig gestellten Kurzfilmen die beiden besten prämiert.

Die Siegerfilme wurden im November 2009 in Berlin ausgezeichnet. Von den 19 Filmen, die ausgezeichnet wurden zeigen wir aus jedem Teilnehmerland jeweils den 1. Preis.

Die Bandbreite der eingereichten Exposés reicht von fiktionalen und dokumentarischen Formaten bis zum Animationsfilm. Die Filmprojekte greifen das Thema der „Grenzüberschreitungen“ auf sehr unterschiedliche Weise auf: Einige Entwürfe widmen sich dem Thema in einer Rückschau auf die Ereignisse von 1939 und 1989 und fragen nach gesellschaftlichen und individuellen Folgen der historischen Grenzüberschreitungen. Andere Entwürfe behandeln das Thema metaphorisch und beleuchten die Grenzen zwischenmenschlicher Kommunikation.

In Kooperation mit „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“ Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Main
Internetseite des Wettbewerbs: www.goethe.de/kue/flm/prj/gre/deindex.htm
Internetseite Stiftung evz: www.stiftung-evz.de/projekte/
Internetseite Gegen Vergessen – Für Demokratie: http://www.gegen-vergessen.de


Black Box White Cube Do, 1. Juli 20:30 h
Kultursommer „Über Grenzen“ / Mediale Grenzüberschreitungen / Vortrag & Präsentation
»Zwischen Black Box & White Cube«
Vortrag mit Filmbeispielen von Reinhard W. Wolf

THEMA: Immer häufiger präsentieren Film- und Medienkünstler ihre Arbeiten im Kontext von Museen und Galerien und wenden sich vom Kino ab- und dem Kunstmarkt zu.
Filmkritik und Kunsttheorie tun sich je auf ihre Weise schwer mit den neuen Entwicklungen. Die Kunsttheorie arbeitet sich an einem Begriff von 'visual arts' ab, der kaum geeignet ist dem Bewegtbild, geschweige denn dem Phänomen Kino, gerecht zu werden. Und die Filmkritik – die es eigentlich könnte – schweigt oder wurde in Sachen Film als Kunst vom Druck des Mainstream-Publikationsmarktes zum Verstummen gebracht. Ein Austausch findet nur selten statt.

Es gibt inzwischen eine internationale Produktion von Filmen, die nicht eindeutig dem Kino oder dem Museum, der Filmkunst oder anderen Künsten zugeordnet werden kann und in denen auch formal Grenzen verschwimmen. Zu den neuesten Entwicklungen gehören u.a. Video Paintings, die weder im Kino noch in Kunsthallen, sondern im Wohnzimmer ihren Ausstellungsraum suchen ...

Eintritt frei - Spende erwünscht („crowd funding“)

Black Box White Cube Fr, 2. Juli 18:00 h
Kultursommer „Über Grenzen“ / Deutschland-Frankreich / Vortrag & Präsentation
»Karambolage«
Vortrag und Präsentation von Maija-Lene Rettig (Redakteurin, ARTE France, Paris)

INHALT: Die vorwitzige Magazin-Sendung KARAMBOLAGE von Claire Doutriaux läuft seit Januar 2004 Sonntags um 20 Uhr auf Arte.
Seitdem untersucht KARAMBOLAGE die kleinen feinen Unterschiede und Eigenarten der deutschen und französischen Alltagskultur.

Maija-Lene Rettig ist seit Beginn dieses Abenteuers mit dabei. Sie wird uns drei ausgewählte Sendungen vorstellen, und uns von der Arbeit in der Redaktion und der Produktion dieser Sendung erzählen.

ZU KARAMBOLAGE: Innerhalb wechselnder aber wiederkehrender Kategorien (etwa „Das Wort/le mot“ oder „Der Brauch/la coutume“) werden dem Zuschauer jeweils unter dem Blickwinkel des Fremden verschiedene interessante etymologische und kulturelle Zusammenhänge oder Unterschiede der deutschen und französischen Alltagskultur nahe gebracht. Dies geschieht humorvoll durch Animationen und Videos.
Eine feste Instanz am Ende jeder Sendung ist „Das Rätsel/la devinette“. Dies ist ein kurzes Video einer deutschen oder französischen Alltagsszene, bei welchem der Zuschauer anhand eines kleinen Indizes herausfinden muss, ob es in Deutschland oder Frankreich gedreht wurde.

»Jeder, der in zwei Ländern und zwei Kulturen lebt, macht die Erfahrung, wie spannend und manchmal auch aufreibend es ist, ständig zwischen beiden Welten hin- und herzuspringen. Je umfassender die Kenntnis der anderen Kultur, desto größer erscheint der Abstand zur eigenen, immer mehr Feinheiten zeichnen sich ab, bereichern und beglücken.
Doch wie kann man diejenigen, denen die andere Kultur gänzlich unbekannt ist, an diesem Gedankenspiel teilhaben lassen, ohne zu Klischees und nutzlosen Vergleichen zu greifen? Viele Franzosen – und das hat auch mit der deutschen Vergangenheit zu tun – interessieren sich nicht für das moderne Deutschland, seine Sprache, Alltagskultur und Bräuche.
Mir lag daran, einen Weg zu finden, der Interesse erweckt, indem er vom Konkreten ausgeht: vom Detail. Von einem Gegenstand, einem Wort, von einem Ritual, einer Lautmalerei. Jedes einzeln und für sich unter die Lupe nehmen: dabei verweilen, es beobachten und beschreiben, eine Interpretation versuchen und von Zeit zu Zeit ein wenig darüber schmunzeln.
Mir lag daran, eine Form zu finden, die es jedem dieser Details ermöglicht, sich zu entfalten. Es zeigen, es inszenieren und es gelegentlich auch übersteigern. Mir lag daran, einen humorvollen Ton und eine spielerische Herangehensweise zu verbinden, um die Neugier zu wecken, diesen unerschöpflichen Lebensimpuls, und um die Konfrontationen in ein Lächeln zu verwandeln.
Schließlich lag mir daran, mit Autoren zusamenzuarbeiten, die – ob Linguisten, Schriftsteller, Journalisten oder einfach subtile Beobachter – täglich in diesen beiden Sprachen, in der deutschen wie der französischen Kultur leben und bereit sind, bei der Karambolage mitzuspielen« (Claire Doutriaux).

JURY-BEGRÜNDUNG ADOLF-GRIMME-PREIS 2006: »ARTE versteht sich als das "Fernsehen ohne Grenzen", die pan-europäische Perspektive ist hier Programm. Ein kleines, höchst subversiv agierendes Magazin für Alltagskultur hält jeden Sonntag frech dagegen: In "Karambolage" ( = Zusammenstoß) berichten allerlei deutsch-französische Grenzgänger - Auslandskorrespondenten, Landeskundler, Übersetzer - augenzwinkernd über die vielen kleinen und großen Unterschiede zwischen den beiden Kulturen.
Die deutschen Eigenarten und französischen Marotten werden mit ethnologischem Kennerblick aufgegriffen und dem staunenden Nachbarn liebevoll nahegebracht. Wer hätte gedacht, dass die Franzosen bei ihrem Taschenmesser den Rost an der Klinge am meisten lieben? Dass man den Ehering links vom Rhein links und rechts vom Rhein rechts trägt - und niemand erklären kann, warum das so ist? Mit der Perspektive des Fremden wirft "Karambolage" einen neugierigen Blick auf die vertrautesten Ritualhandlungen. Dem deutschen "Abendbrot" auf einem ramponierten "Brettchen" wird genauso die Ehre erwiesen wie dem französischen Aperitif aus Leitungswasser und Anis-Schnaps. Gerade weil sich die deutsche "Gemütlichkeit" und das französische "Savoir vivre" hier nicht zu einem europäischen Lebensgefühl zusammenraufen müssen, wirkt "Karambolage" im Sinne des ARTE-Sendungsbewusstseins so integrativ.
In den knappen zwölf Minuten des rubrizierten Mini-Magazins bedienen sich "Karambolage"-Redakteurin Claire Doutriaux und ihr Team zahlreicher Stilmittel. Nicht immer ist die Vermittlung im engeren Sinne so visuell wie im Bilderrätsel. Wo es passt, wird auch schon mal ein Erzählstück trickanimiert oder etwas ganz Kleines ganz theatral inszeniert. Und doch ist "Karambolage" mit seiner journalistischen Genauigkeit, der ambitionierten Ästhetik und dem Alltag als Hauptgegenstand so nur im Verbundmedium Fernsehen denkbar. Und darin wiederum nur dort, wo das Fernsehen programmatisch keine Grenzen kennt - im Kulturkanal ARTE.«

Karambolage-Internetseite: www.arte.tv/de/europa/karambolage/


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