Liebe BesucherInnen!

im Februar endet unsere Spielzeitpause! Schwerpunkt des Programms sind Filme, die auf wichtigen Filmfestivals erfolgreich gezeigt wurden, aber nicht in den gewerblichen Mainzer Kinos gezeigt wurden.

Von der Berlinale persönlich ausgesucht, bringen wir den deutschen Beitrag "Wir könnten genauso gut tot sein". Die Sozialsatire zeigt verblüffend präzise, glaubhaft und zugleich unterhaltsam, wie eine Hausgemeinschaft auseinanderdriftend und – stellvertretend für unsere gegenwärtige Gesellschaft – Vorurteile, diffuse Ängste und "fake news" in eine irrationale Konfrontation führen.

Der Gewinner des von Robert Redford gegründeten Sundance Festivals, das inzwischen zu den drei wichtigste Festivals in Nordamerika gehört, war ein Spielfilm aus Bolivien: "Utama" von Alejandro Grisi ist eine zärtliche Liebesgeschichte eines älteren Paares in der atemberaubenden Landschaft des Hochlands von Bolivien, in der die Quechua-Kultur zuhause ist. Der Film ist zugleich ein aktueller Kommentar zur Globalisierung und zum Klimawandel, der gerade die indigenen Völker am härtesten trifft.

Außerdem zeigen wir mit "Ein Triumph (Un triomphe)" einen Beitrag vom Cannes Filmfestival, der bei den European Film Awards die Auszeichnung Beste Europäische Komödie erhielt und in einem Milieu spielt, dass im Mainstream-Kino meist nur eine dunkle, negative Rolle spielt.

Schließlich möchten wir noch auf den Tag der offenen Tür (25.2.23) des Institut français mit dem Motto "Magie" hinweisen, an dem wir uns mit einer Wiederaufführung von "Die fabelhafte Welt der Amélie" beteiligen und außerdem ein Informationsangebot über Film- und Kinokultur, das CinéMayence und Kommunale Kinos allgemein machen.

Mit besten Empfehlungen

Ihr CinéMayence-Team

Die Hygiene-Auflagen von letztem Jahr sind weggefallen. Damit Sie sich bei uns wohl und sicher fühlen, halten wir aber bis auf weiteres einen Platz zwischen den Sitzen frei. Wegen der Verknappung der Plätze empfehlen wir unsere Online-Reservierungsmöglichkeit zu nutzen

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Filmbild AUSVERKAUFT
Fr, 27. Januar 20:00 Uhr
Psychoanalytiker stellen Filme vor
Systemsprenger
Spielfilm von ChloéSpielfilm von Nora Fingscheidt, D 2019
Referentin: Dr. Sandra Kirsch
Eintritt: 7 € (ermäßigt 5 €)
»Im Zentrum des Films steht die neunjährige Benni, die nach Durchlaufen mehrerer Stationen der Fremdbetreuung und sozialpädagogischer und psychiatrischer Maßnahmen hofft, endlich wieder zur Mutter zurückkehren zu können. Doch wenn Bennis Bedürfnisse und Wünsche mit denen der Anderen kollidieren, ‚rastet‘ sie regelmäßig aus. Vor dem Hintergrund früherer traumatischer Erfahrungen wechselt ihr vitales und vehementes Werben um einen dauerhaft guten Ort ab mit zerstörerisch-aggressiven Durchbrüchen, bei denen sie sich und andere verletzt. Besonders durch die filmischen Mittel jenseits von Handlung und Sprache wird dem Zuschauer ein Zugang zu frühem und innerem Erleben des Kindes eröffnet und gezeigt, wie ein Circulus vitiosus entsteht, in dem das System der sozialen Hilfen ‚gesprengt‘ wird und versagt.« (Dr. Sandra Kirsch)


Filmbild Do, 2. – Di, 7. Februar 20:00 Uhr
Neues deutsches Kino / Sozialsatire / Wohnen / Nachbarn
Wir könnten genauso gut tot sein
Spielfilm von Natalia Sinelnikova, D 2022, 93 Min.
Die Sicherheitsbeauftragte Anna (40) lebt mit ihrer Tochter Iris (16) in einem mit allen Bequemlichkeiten des Lebens ausgestatteten Hochhaus am Waldrand. Hier zu leben, abgeschirmt von einer gefahrvollen Umwelt, ist das Ziel. Doch als der Hund des Hausmeisters Gerti verschwindet, kriecht die Angst unter der Türschwelle ins Haus.
Anna macht sich auf die Suche nach dem verschwundenen Hund. Die Nach­barn finden Annas Verhalten verdäch­tig. Es kommt zu Gerüchten im Haus. Die Angst vor einem unbekannten Mörder breitet sich unter den Bewoh­nern aus. Eine freiwillige Bürgerwehr bewaffnet mit Golfschlägern gründet sich ...

Die Utopie der ›gated community‹ mit Waldblick, in der Wellness- und Achtsamkeitskultur, gesellschaftliches Engagement, Reinlichkeits- und Sek­ten­wahn auf merkwürdige Weise zu­sammenfinden, gerät schleichend aus den Fugen. Es ist eine sehr fragile Gemeinschaft, die man nur anstupsen muss, damit es zur Eskalation kommt.
Eröffnungsfilm Perspektive Deutsches Kino, Berlinale 2022

Trailer: https://vimeo.com/17626012

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Filmbild AUSVERKAUFT
Mi 8. Februar 20:00 Uhr
Klima / Film und Gespräch
Der unberechenbare Faktor
Dokumentarfilm von Christian Belz, D 2021, 51 Min.
Mitveranstalter: Psychologists for Future Mainz in Kooperation mit den Filmemacher*innen von BeWildFilm
Der Film beschäftigt sich mit der Frage, warum wir als globale Gesellschaft trotz wissenschaftlicher Klarheit über den Klimawandel immer noch nicht angemessen handeln. Dabei legt er besonderen Fokus auf unsere menschlichen Faktoren, die uns immer wieder ins Hamsterrad von Verdrängung und Ohnmacht zurückwerfen.

“DER UNBERECHENBARE FAKTOR” begibt sich zu den Ursprüngen der deutschen Umweltbewegung, begleitet heutige Aktivist*innen von Ende Gelände im Rheinland beim Kampf gegen die Kohleindustrie und verleiht Wissenschaftler*innen aus der Klimaforschung, Ethnologie und Psychologie eine Stimme.

Wie wir gemeinsam auf einen Pfad in eine klimatisch bessere Zukunft kommen hängt von uns selbst ab, denn wir sind der unberechenbare Faktor, so die These des Films.

Über die FilmemacherInnen
»Wir sind ein junges Filmteam aus der Schwarzwald Region. Seit 2019 produzieren und drehen wir Dokumentarfilme zum Thema Klimawandel. Für uns sind die Klimaszenarien schon jetzt Realität und wir wollen die Debatte um politische Entscheidungen und gesellschaftliche Diskussionen voranbringen. Unsere Filmvorführungen werden immer von einem anschließenden Gespräch belebt in dem wir direkt und vor Ort mit Menschen über Ängste, Sorgen und Hoffnungen bezüglich der Klimakatastrophe sprechen!«



Filmbild Do, 9. – Mi, 15. Februar (außer So 12.2.)20:00 Uhr
Indigene / Anden / Grand Jury Prize Sundance Festival 2022
Utama
Spielfilm von Alejandro Loayza Grisi, Kamera: Bárbara Àlvarez, Bolivien 2022, 87 Min., OmU
Das Altiplano, das bolivianische Hochland der Anden: Hier leben Vigilio und Sisa aus der indigenen Ethnie der Quechua. Hinter ihnen liegt ein langes gemeinsames Leben, geprägt durch die traditionelle Lebensweise mit Lama-Zucht und Gemüseanbau, und in enger Verbindung mit der Natur. Doch nun bleibt der Regen aus, aus dem Dorfbrunnen kommt kein Wasser mehr, und Vigilio ist ernsthaft krank, wovon seine Frau nichts erfahren soll. Aus dem Flug des Kondors versucht er die Zeichen um sich herum zu deuten. Wird ein Marsch auf den Vulkan mit der rituellen Beschwörung des Regens Besserung bringen?

Bei seinem Besuch drängt Clever, der Enkel, die Großeltern zum Umzug in die Stadt, in die moderne Welt, die nicht die ihre ist, die ihre Sprache und ihre Lebensweisheiten nicht mehr nutzt. Die drei stellen sich auf unterschiedliche Weise der Dürre, den Veränderungen und dem Sinn des Lebens. Tradition streitet sich mit Moderne, Urwissen mit Wissenschaft. Der scheinbar ewige Disput, am Ende haben beide recht.

Eine zärtliche Liebesgeschichte in atemberaubender Landschaft, und zugleich ein aktueller Kommentar zum Klimawandel, der gerade die indigenen Völker am härtesten trifft.

Auszeichnung: Grand Jury Prize beim Sundance Film Festival 2022

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+++ 16.02. bis Aschermittwoch geschlossen +++



Filmbild Do, 23. Februar – Mi, 1. März 20:00 Uhr
Film français / Cannes 2020 / Beste europäische Komödie European Film Awards
Ein Triumph (Un triomphe)
Spielfilm von Emmanuel Courcol mit Kad Merad, F 2020, 106 Min., OmU
Der eher erfolglose Regisseur Étienne (Kad Merad) erarbeitet mit einer Gruppe von Gefängnisinsassen Samuel Becketts wohl bekanntestes Stück Warten auf Godot. Das sollte passen. Denn, so meint Étienne, vom Warten verstehen Gefangene ja etwas ...

So beginnen die Proben hinter Mauern mit den harten Jungs Moussa (Wabinlé Nabié), Kamel (Sofian Khammes), Patrick (David Ayala), Jordan (Pierre Lottin) und Alex (Lamine Cissokho). Étienne merkt, dass er schnell den Anschluss verlieren kann. Er muss um Anerkennung ringen, aber er setzt sich mit seiner Autorität und Leidenschaft durch.

Étienne ist erstaunt, welches schauspielerische Talent in seinen Schützlingen schlummert. Selten hat man erlebt, dass Becketts berühmtes Theaterstück mit einer solchen Inbrunst und Realitätsnähe gespielt wird. Wenn alles funktioniert, winkt sogar eine Tournee außerhalb der Gefängnismauern ...
Auszeichnung: Beste Europäische Komödie, 33. European Film Awards

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Kinosessel Sa, 25. Februar 16:00 Uhr
Tag der offenen Tür / Magie
CinéMayence – Was ist ein Kommunales Kino?
Präsentation und Gespräch
Referent: Reinhard W. Wolf
Das Institut français veranstaltet am 25. Februar einen Tag der offenen Tür mit verschiedenen Veranstaltungen mit dem Motto Magie. Das CinéMayence schließt sich mit der Wiederaufführung des Films DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE an.

Außerdem nutzen wir die Gelegenheit über das kulturelle Konzept des CinéMayence als Kommunales Kino zu informieren und über seine Arbeit unter den gegenwärtigen Bedingungen zu berichten. Dazu gehört auch ein kurzer historischer Abriß Vorläufer und Vorbilder Kommunaler Kinos – wie etwa die deutschen Gemeindekinos oder die französischen Ciné-Clubs – und als Ausblick die Vorstellung aktueller Best-Practice-Beispiele Kommunaler Kinos in anderen Städten.
Nutzen Sie die Gelegenheit, um fachlich fundiert aus erster Hand über Gegenwart und Zukunftsoptionen für lokale Medien- und Kinokultur informiert zu werden!
Eintritt frei – da die Plätze begrenzt sind, bitten wir trotzdem um Anmeldung über unser Online-Reservierungsformular


Filmbild Sa, 25. Februar 17:30 Uhr
Tag der offenen Tür / Magie / Film français
Le fabuleux destin d'Amélie Poulain (Die fabelhafte Welt der Amélie)
Spielfilm von Jean-Pierre Jeunet, F 2001, 122 Min., OmU
D: Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Rufus, Yolande Moreau u.a.
Eine schüchterne Kellnerin träumt sich durch den tristen Alltag im Pariser Stadtteil Montmartre.

Amélie (Audrey Tautou) lebt in ihrer eigenen fabelhaften Welt. Sie hat ein Auge für Details, die anderen entgehen, und einen Blick für magische Momente, die flüchtiger sind als ein Wimpernschlag. Als sie beschließt, als gute Fee in das Leben ihrer Mitmenschen zu treten, schickt sie einen Gartenzwerg auf Weltreise, zaubert verschollene Liebesbriefe wieder herbei und wird zum Schutz- und Racheengel in einer Person. Nur wenn es um ihr eigenes Glück geht, steht Amélie sich selbst im Weg – bis ihr ein guter Geist auf die Sprünge hilft ...

Audrey Tautou eilt bei Jeunet mit ihrem pechschwarzen Bubikopf durch die Gassen von Montmartre und scheint mit ihren dunklen Augen all das Leid unserer Welt in sich aufzusaugen scheint, um sogleich einen melancholisch eingefärbten Schleier des Glücks darüber zu legen. Für ein Lächeln ihrer Amélie ist aller (Liebes- und Welt-) Schmerz für Momente vergessen.

»Das Märchen von der bezaubernden Amélie ist eine perfekt designte Bilder-Droge, die heftigste Glücksgefühle beschert. Jeunet, dessen Schule Cartoons und Animationsfilme waren, bedient sich virtuos der Clip-Ästhetik und bearbeitet den Zuschauer mit einem Stakkato an witzig-kuriosen Einfällen, mit präzis getimtem Augenzwinkern im Zehntelsekunden-Takt. In seiner Heldin beschwört er die zentrale Phobie des medial umzingelten Menschen: die panische Angst davor, dass die Wirklichkeit etwas anderes sein könnte als ein blankpoliertes Bild (...)« (Rainer Gansera, epd Film 8/2001)





Vorschau
8. März 20:00 Uhr
Internationaler Frauentag / Film und Gespräch
Mutter
Spielfilm von Carolin Schmitz mit Anke Engelke, D 2022
Die Regisseurin ist anwesend!







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Online Tipp || Filmgeschichte: Plattform 35mm.online bietet polnisches Kino (überwiegend) kostenlos als Streaming

In den Jahren 2018-2021 führten das Polnische Filminstitut (Polski Instytut Sztuki Filmowej), die Dokumentar- und Spielfilmstudios (Wytwórnia Filmów Dokumentalnych i Fabularnych) und das Studio Filmow Rysunkowych ein Projekt zur Restaurierung und Digitalisierung von Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilmen durch.
Viele der Filme werden nach einer Anmeldung kostenlos als Streaming angeboten.


Online Tipp || Filmgeschichte: Chilenische Filme der Cineteca Nacional kostenlos als Streaming

Die staatliche Kinemathek Chiles bietet eine kleine Auswahl älterer chilenischer Filme kostenlos als Online-Streaming an.
Darunter auch der legendäre „La Tierra prometida (Das gelobte Land)“ des renommierten Regisseurs Miguel Littin aus dem Jahr 1973.


Online Tipp || Filmfriend-Bibliothek der Öffentlichen Bücherei Mainz

Die Anna Seghers Bücherei ist dem Video-on-Demand-Netzwerk filmfriend angeschlossen! Mit dem Bibliotheksausweis kann man kostenlos aus mehr als 3.500 Titeln z.T. preisgekrönte Filme und Serien auswählen – mit Suchfunktionen und sorgsam kuratierten Themen-Kollektionen.


Analyse || Kinowirtschaft global in der Klemme

Während der Lockdowns konnten Kinobetriebe dank der Corona-Hilfen ohne größere Blessuren überstehen. Nur wenige Häuser mussten schließen. Nun aber, in der Post-Lockdown-Zeit erreichen die Besucherzahlen nicht mehr, wie erhofft, das Niveau vor der Pandemie. Es steht zu befürchten, dass der jahrzehntelange Abwärtstrend (seit der Einführung des Farbfernsehens, der TV-Fernbedienung, der Videokassette, der DVD usw. u.s.f.) an trauriger Dynamik gewinnt...



Filmbild
Online Beitrag || Filmwissen: umfangreiche Beiträge zum Experimental- und Avantgardefilm auf cinemayence.online veröffentlicht

Nach fast einem Jahr Arbeit hat das CinéMayence eine umfangreiche Beitragssammlung online gestellt, in der systematisch wichtige Strömungen und ästhetische Strategien des Avantgarde- und Experimentalfilms bis zur zeitgenössischen Video- und Medienkunst dargestellt werden. Im Mittelpunkt stehen Filme, die auf einer Metaebene selbstreflexiv sind, also auch Aussagen über ihr Medium treffen. Insofern das Medium reflektiert und analysiert wird, sind Experimental- und Avantgarde-Filme hervorragend geeignet Filmwissen und Medienkompetenz zu vermitteln.

Filmbild Das Thema wird – einem eigenen Curriculum folgend – in drei übergeordneten Blöcken mit neun Kapiteln in Text, Bild und Video behandelt. Beispielhaft werden herausragende Filme und Medienarbeiten von filmgeschichtlich bedeutenden Pionieren bis zu renommierten zeitgenössischen KünstlerInnen auf mehr als 30 Internetseiten analysiert und interpretiert.

Filmbild Unter anderem geht es um Experimentalfilm als Metafilm (Raum und Zeit im Surrealismus, Dada, Strukturellen Film), Found-Footage-Film als Metafilm (Kompilation, Collage, Aneignung) und Medienkunst als Selbstreflexion (von Nam June Paik bis Dara Birnbaum).

Das von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur geförderte Projekt dient der Vermittlung von Filmwissen und Medienkompetenz. Die Verbreitung und Vermittlung von Filmwissen und Medienkompetenz ist eine Kernaufgabe Kommunaler Kinos.

Verfasser der Beiträge ist der Leiter des CinéMayence, Reinhard W. Wolf.