Logo Kultursommer
Kultursommer


1. Einführung
2. Programm Tag für Tag




Juli: Kinoprogramm zum Kultursommer Rheinland-Pfalz 2026 – "Die goldenen Zwanziger"

Mit dem Programm schlagen wir einen Bogen von den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts in unser Jahrhundert.
Denn das Motto bietet nicht nur eine Rückbesinnung auf eine der interessantesten Epochen der deutschen Kulturgeschichte, sondern auch einen spannenden Bezug zur Gegenwart. Wie damals, stehen wir heute vor großen gesellschaftlichen Veränderungen und Herausforderungen. Das greifen wir Juli filmisch auf. Neben Filmen aus den ›goldenen‹ Zwanziger Jahren und Filmen über Persönlichkeiten der Zeit geht es um Parallelen zu Themen der 20er Jahre in unserem Jahrhundert, die heute wieder eine Rolle spielen und verblüffend ähnlich sind. Beide Perioden sind ›Zeitenwenden‹.  

Themen, die in dem Programm vorkommen sind u.a.: Demokratie in Gefahr / gefährdete Stabilität / Wirtschaftskrise / Aufbruchstimmung / Veränderungen in der Rolle von Frauen / neuer Diskurs über Sexualität / Neuorganisation der Zivilgesellschaft / neue Formen der Massen- und Medienkultur. Zum Thema haben wir passende Spiel- und Dokumentarfilme ausgewählt. Lassen Sie sich von einem vielseitigen, unterhaltsamen Programm überraschen!  

Die ausgewählten Filme reflektieren verschiedene Perspektiven und immer auch mehrere Themen. Alle fremdsprachigen Filme werden als Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt und die neuen Filme sind Mainzer Erstaufführungen.



Programm Tag für Tag
Sprung zum Datum 5 6  7 8 9  10 11 12  13 14 15  16 17 18  19 20 21  22 23 24  25  26 27  28 29 30 31 Monat2



Filmbild
Do, 2. bis Di, 7. Juli 20:00
Collapse Community – soziale und ökologische Zukunft
Wir werden alle sterben!
Dokumentarfilm von Benjamin Knight, D 2024, 97 Min, OmU, FSK 12
Eine höchst unterhaltsame Doku von Benjamin Knight über apokalyptische Ängste und die Kunst, sich davon wieder zu lösen.

Klimakatastrophe, Atomkrieg, Sorge vor Rechtsruck, Faschismus und Bürgerkrieg: Ben lebt und arbeitet als Journalist in Berlin und ihm setzen die andauernden Krisen zu. Also reist er von Berlin nach London, nach Kansas, nach Norwegen und schließlich ins Zentrum des Weltuntergangs, dem Chicxulub-Meteoriten-Krater in Mexiko. Er will von jenen lernen, die sich auf den sozialen und ökologischen Zusammenbruch vorbereiten, ob man sie nun „Prepper“, „Doomer“ oder „Bunkerbewohner“ nennt – die internationale „Collapse-Community“ ist größer als gedacht.





Filmbild
Mi, 8.7. 20:00
Musik für die Augen / Avantgardefilm und Gespräch
Oskar Fischinger – Musik für die Augen
Erzählt von Elfriede Fischinger, Produktion/Motion Design: Ralf Ott, Musik: Parviz Mir-Ali Harald Pulch und Ralf Ott sind zu einem Gespräch nach dem Film anwesend.
Jahrzehnte bevor Computergrafiken und Musikvideos entstanden, verband der Filmvisionär Oskar Fischinger in kurzen Filmen abstrakte Formen und Farben mit Musik. Der Dokumentarfilm von Harald Pulch und Ralf Ott zeichnet das Leben und Werk des Trickfilmpioniers und Erfinders des Musikvideos nach. Erzählt von seiner Ehefrau und Kollegin Elfriede Fischinger, zeigt der Film das bewegte Künstlerleben des Ehepaars und Fischingers innovativen Einfluss auf Bewegtbilder.

Nach einer aufwendigen digitalen Restaurierung der experimentellen Animations-Filme und Werbefilmklassiker ist „Oskar Fischinger – Musik für die Augen“ ein 90-minütiges Zeitdokument, das einen der bedeutendsten Filmkünstler des 20. Jahrhunderts ins kollektive Gedächtnis zurückholt. (Pitt Herrmann, filmportal, )

Hintergrund - Über die Umsetzung des Films
Das dokumentarisches Künstlerporträt beruht zu großen Teilen auf einem langen Interview, das Harald Pulch, damals Professor für Filmgestaltung an der Hochschule Mainz, 1993 über fünf Tage verteilt in Los Angeles mit Elfriede Fischinger, der Witwe und langjährigen Mitarbeiterin Oskar Fischingers, führte. Die alternierende Montage kombiniert Auszüge dieser Video-Aufnahmen, die Pulchs ehemaliger Schüler Ralf Ott digital aufbereitet hat, mit Ausschnitten vieler Fischinger-Filme. Dazu kommen historische Schwarzweiß-Fotos und -Filmaufnahmen des Ehepaares. Der chronologisch erzählende Film ist durch Zwischenüberschriften in kurze Kapitel gegliedert und so klar strukturiert. Er verzichtet sowohl auf einen Off-Kommentar als auch auf Statements von Zeitzeug*innen oder Filmhistoriker*innen. Durch die Beschränkung auf die persönlichen Erlebnisberichte der Witwe erhält der Film Züge einer Hommage, die das Bedürfnis nach kritischer Einordnung weckt.

»Der Zugang zu dem Archiv von Oskar Fischinger und das Insiderwissen von Elfriede Fischinger gewähren Einblick in die (auch technischen) Hintergründe der Werke. So wirkt „Oskar Fischinger – Musik für die Augen“ zeitweise fast wie ein „Making of“. […] Auch rund 90 Jahre und etliche technologische Quantensprünge später schaut man dem Tanz der Quadrate, Dreiecke, Kreise und Linien noch immer beglückt zu.« (Esther Buss, Filmdienst).




Filmbild
Do, 9. bis So, 12.7. 20:00
Töne der Zwanziger Jahre / Mode
Bolero
Biopic von Anne Fontaine, F/B 2024, 121 Min., OmU, FSK 6
Der Film BOLERO erzählt von der Entstehung des gleichnamigen Ballett- und Orchesterstücks und wirft einen Blick auf das Leben und Schaffen seines Schöpfers: der französische Komponist Maurice Ravel.

Paris 1928: Der Komponist Maurice Ravel erhält von der exzentrischen Tänzerin Ida Rubinstein den Auftrag, die Musik für ihr nächstes Ballett zu komponieren. Sie wünscht sich etwas Sinnliches und Betörendes. Ravel sieht sich zunächst nicht in der Lage, etwas zu Papier zu bringen. Er sucht Inspiration in seinem Alltag und taucht tief in sein Innerstes ein, setzt sich mit den Misserfolgen seiner frühen Jahre, dem Bruch durch den Ersten Weltkrieg und der unmöglichen Liebe zu seiner Muse Misia Sert auseinander. Eine scheinbar zufällige Idee wird die Grundlage für seinen größten Erfolg, ein faszinierendes und einzigartiges Werk, das dem Komponisten zu Weltruhm verhelfen wird: der Bolero.

Gedreht unter anderem in Maurice Ravels Original-Wohnhaus und an seinem Klavier, nimmt uns Anne Fontaine mit auf eine sinnliche Reise in die Welt Ravels und lässt uns eindrücklich spüren, wie dieses Meisterwerk der Musikgeschichte entstanden ist.

Pressestimmen
»Ein klug und treffend verhaltener Film, in dessen Schlusssequenz Ravel ein Himmelsorchester mit dem Finale des „Boléro“ dirigiert, spektakulär durchtanzt vom Pariser Star-Solisten François Alú.« Wolf-Dieter Peter, Neue Musik Zeitung).





Filmbild
Do, 13. bis Mi, 15.7. 20:00
Bilder / Malerei
Munch
Dokumentarfilm von Henrik Martin Dahlsbakken, N 2023, OmU
Maler, Exzentriker, Genie: Edvard Munch, Begründer des Expressionismus, ist einer der bedeutendsten Künstler der Moderne. Sein „Der Schrei“ gehört zu den wichtigsten (und teuersten!) Gemälden des 20. Jahrhunderts. Aber wer war Edvard Munch? In vier Episoden entfaltet »Munch« die einzigartige Biografie eines getriebenen Geistes. Vom aufstrebenden Künstler im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis zum eigenwilligen Greis, der sein Lebenswerk im besetzten Norwegen vor den Nazis schützt. Munchs Leben ist verwoben mit der europäischen Geschichte, geprägt von riesigem Erfolg und katastrophalem Scheitern, euphorischer Ekstase und selbstzerstörerischem Exzess.

Filmkritik
»Der Film, in dem leidenschaftlich über Kunst, Genie und seelisches Ungleichgewicht debattiert wird, addiert Bruchstücke unterschiedlicher Lebensphasen. Er bewegt sich sprunghaft und assoziativ durch Raum und Zeit. ‘’Wenn ich male, fühle ich mich vollständig’ resümiert Munch und fügt selbstkritisch hinzu 'Ich bin unmöglich'. Der Abspann teilt lapidar mit, dass Munch fast 30 000 Werke hinterlassen hat. In Dahlsbakkens Film wird das Fundament dieser Produktivität sichtbar. Dietmar Kanthak, epd-film .





Filmbild
Do, 16. bis Mi, 22.7.20:00
Gesellschaftlicher Wandel / Wendepunkte
Breaking Social – Können wir uns die Reichen leisten?
Dokumentation von Fredrik Gertten, S 2023, 93 Min., OmU, FSK 12
Wer viel und hart arbeitet wird reich belohnt. Dieser Mythos hält sich immer noch. Doch die Realität sieht anders aus. Überall auf der Welt werden Menschen und Ressourcen ausgebeutet. Und das nicht von Einzelpersonen. Immer wieder lässt sich beobachten, dass es ganze Systeme sind, die Machtstrukturen aufrechterhalten um sich selbst zu bereichern. Vom korrupten Regime in Malta, über Ausbeutung von Lehrer:innen in den USA, zu Übergriffen an Frauen in Chile. Die Welt leistet sich die Reichen auf Kosten der Ärmsten und auf Kosten des Planeten. Doch wie können wir als Kollektiv zusammenkommen und unsere Stimmen hörbar machen? BREAKING SOCIAL blickt auf die Wendepunkte, die Menschen dazu bringen aktiv zu werden und sich zu organisieren und erforscht die Möglichkeiten zur Überwindung von Ungerechtigkeit und Korruption.

Filmkritik
»Breaking Social registriert die Frustration und Wut der Unterdrückten. Der Film weiß um den Bruch des (fiktiven) Gesellschaftsvertrages, sucht aber nach Indizien der Veränderung und des Aufbegehrens, weil „Pessimismus und Zynismus“ ja keine Lösung sind, so Gertten. (Ulrich Kriest, Filmdienst) Der Schwede Fredrik Gertten berührt in seiner Dokumentation aktuelle Themen wie Aktivismus, Ausbeutung, Korruption und gesellschaftlicher Wandel .






Filmbild
Do, 23.7. 20:00
Glücksversprechen
Ich bei Tag und Du bei Nacht
Spielfilm von Ludwig Berger, D 1931, 97 Min., FSK 0 mit Käthe von Nagy, Willy Fritsch, Julius Falkenstein Einführung: Janis Noah Kuhnert
In der romantischen Komödie begegnen sich zwei junge Leute, die sich so verhalten, wie sie es aus den glanzvollen Kinofilmen ihrer Zeit kennen.
Grete arbeitet in einem Maniküre-Salon und wohnt bei der ehemaligen Theaterschauspielerin Frau Seidelbast zur Untermiete. Tagsüber, wenn Grete arbeitet, ist das Zimmer an Hans vermietet, der Kellner im Nachtlokal „Casanova“ ist und erst morgens zum Schlafen kommt. Grete und Hans haben sich noch nie gesehen. Eines Tages lernen sich die beiden kennen. Sie verabreden sich zu einem Ausflug nach Potsdam, wo sie nach einer Führung durch das Schloss Sanssouci versehentlich eingeschlossen werden und in dieser misslichen Situation einander näherkommen Sie verabreden sich zu einem Ausflug nach Potsdam, wo sie nach einer Führung durch das Schloss Sanssouci versehentlich eingeschlossen werden und in dieser misslichen Situation einander näherkommen und sich verlieben.

Da jeder vom anderen annimmt, daß er gesellschaftlich weit über ihm rangiere und einander für vermögender halten, scheint ihrem Glück keine große Zukunft beschieden. Doch dieses Mißverständnis klärt sich auf, und am Ende steht für die beiden die überraschende Enthüllung, daß sie nicht nur die selbe Wohnung teilen, das wegen ihrer unterschiedlichen Arbeitszeiten zweimal vermietet werden konnte. sondern sogar im selben Bett schlafen,

Die musikalische Filmkomödie, in der sogar die Comedian Harmonists einen kurzen Auftritt haben, parodiert die Glücksversprechungen des Kinos im Kontext der Wirtschaftskrise am Ende der Weimarer Republik.

Regie führte Ludwig Berger, geboren 1892 in Mainz, der einer der führenden deutschen Film- und Theaterregisseure war und der einzige Mainzer Filmemacher von internationalem Rang ist. Im Dezember 2025 zeigte das CinéMayence bereits zwei seiner Filme: Der Walzerkrieg (1933) und Les trois valses (Drei Walzer, F 1938).

Produziert wurde Ich bei Tag und Du bei Nacht von Erich Pommer, einem der bedeutendsten Filmproduzenten der deutschen Filmgeschichte, .





Filmbild
Fr, 24. – Mi, 29.7.20:00
Träume verwirklichen
Das Fest geht weiter! (Et la fête continue!)
Spielfilm von Robert Guédiguian, F/I 2023, 106 Min, OmU, FSK 12
Eine politisch aktive Krankenpflegerin hält mit Lebensfreude und Hilfsbereitschaft ihre Großfamilie im maroden Stadtzentrum von Marseille zusammen. Während ihre Kinder mit Alltagskonflikten ringen, verliebt sie sich im Alter noch einmal. Sie erkennt, dass es nie zu spät ist, ihre eigenen politischen und persönlichen Träume zu verwirklichen.

Filmkritik
»In diesen seltsamen Zeiten der Rückschritte und des Egoismus, die alle unsere Gesellschaften betreffen, kann sich ein Filmemacher nicht damit begnügen, das Elend der Welt zu beschreiben ... er muss auch neue Wege aufzeigen, auf denen die Ideen des Teilens und der Demokratie die Oberhand gewinnen können, von dem angegriffenen Armenien bis zu SOS Méditerranée, vom Flüchtlingsstatus bis hin zum sozialen Wohnungsbau, von der Verteidigung des Krankenhauses und der Schule bis hin zur Neuerfindung der Linken und der Horizontalität der Kämpfe in den Stadtvierteln. Und all das mit dem Bestreben, gehört zu werden, das heißt, ein Filmemacher zu sein, der glaubt, dass sich Autorenkino und populäres Kino nicht widersprechen« (Robert Guédiguian).





Filmbild
Do, 30.7. 20:00
Filmklassiker der 20er
Nosferatu
Spielfilm von Friedrich Wilhelm Murnau, D 1922, 94 Min., restaurierte Fassung mit Musik
Nach Bram Stokers Roman Dracula erzählt der Film die Geschichte des Grafen Orlok (Nosferatu), eines Vampirs aus den Karpaten, der in Liebe zu Ellen, der Frau eines Immobilienmaklers, der dem Grafen ein Haus in Wisborg verkauft hat, entbrennt. Nosferatu reist auf einem Geisterschiff nach Wisborg, um sein Haus in Besitz zu nehmen und Ellen zu treffen. Er bringt Schrecken und Tod über ihre Heimatstadt. Ellen erkennt die Herausforderung, und um das unheilvolle Schicksal aufzuhalten, opfert sie sich und gibt sich dem Vampir hin. In den ersten Sonnenstrahlen des neuen Morgens löst sich die mysteriöse Gestalt in Nichts auf ... Der Film aus den Zwanziger Jahren mit seiner dämonischen Hauptfigur und seiner traumartigen Inszenierung, die Seelenzustände spiegelt, gilt als eines der wichtigsten Werke des Kinos der Weimarer Republik. Die Figur des Nosferatu lässt sich politisch als Despot lesen, der tyrannisch ist, weil er das Gefühl habe, nicht geliebt zu werden.

Siegfried Kracauer nennt in seinem Buch Von Caligari zu Hitler (1947) den Vampir eine Tyrannenfigur. Zu diesem Tyrannen stehe das Volk in einer Art „Hassliebe“.

Ungewöhnlich für einen deutschen Film dieser Zeit waren die große Anzahl an Außenaufnahmen und die intensive Nutzung real existierender Drehorte.

Fassung
2005-2006 schuf die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung eine Überarbeitung, bei der der Film komplett digitalisiert und jedes Einzelbild bearbeitet wurde. Die Originalmusik der neuen Vertonung ist von Hans Erdmann, eingespielt vom Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken.

Quelle: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung





Frühere Kultursommer-Programme siehe Archiv