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Folgemonat | Download: Programmflyer Oktober 2020 (PDF) | Links zu: CinéMayence bei facebook | Instagram



Aktualisierung vom 28. Oktober

Liebe BesucherInnen!

Aufgrund der aktuellen Lage können wir nur noch Reservierungen für Programme bis zum 31.10. entgegennehmen.
Aktualisierung vom 22. Oktober

Wegen der Einhaltung der Auflagen für Kinos und andere Versammlungen gibt es einige Einschränkungen. Wir versuchen aber den Besuch nicht nur sicher, sondern auch so angenehm wie möglich zu gestalten.
Wir bitten Sie im Haus eine Maske zu tragen, die Sie aber am Platz ablegen dürfen . Ab 12. Oktober bis auf Widerruf abweichend zu früheren Regeln Maskenpflicht auch am Platz.
Zur Erfüllung der gesetzlichen Auflagen gehört es auch, dass sich Besucher mit Ihren Kontaktdaten anmelden. Um Sitzpläne mit optimalem Abstand erstellen zu können, bitten wir um Anmeldung/Reservierung bis spätestens zwei Tage vor der Veranstaltung. Anstelle unseres Formulars können Sie sich auch informell per E-Mail anmelden. Bitte beachten Sie aber, dass Sie dabei für jede Person die Kontaktdaten vollständig mitteilen (Name, Anschrift, Telefon). Wenn Sie in Begleitung kommen, bitten wir um einen Hinweis, ob Sie nebeneinander sitzen dürfen/wollen.

Bezüglich der Sitzplatzabstände halten wir uns freiwillig vorerst noch an die ältere, strengere Regelung, die Mitte September gelockert wurde (11. CoBeLVO). Der Abstand zum Sitznachbar beträgt zur Zeit ca. 2 Meter. Die aktuelle Allgemeinverfügung der Stadt Mainz, vom 21. Oktober, wird von uns (über)erfüllt. Bitte beachten Sie zu diesem Thema unser "Hygienekonzept"!

Ihr CinéMayence-Team



Hei, Hej! Filme aus dem Norden

Zum Thema des Kultursommer Rheinland-Pfalz (Nordlichter) Diesen Monat bieten wir eine Veranstaltungsreihe mit Filmen aus Ländern des europäischen Nordens. Die Filme machen Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede sichtbar.
Zu den Gemeinsamkeiten gehören zum Beispiel die Darstellung von Natur und Landschaften, die oft eindrucksvoll fotografiert wie Protagonisten mitwirken. Aber auch eine humane Realitätsauffassung, manchmal auch moralisierend, und ein Humor, der skurril wirken darf.
Vollständiges Programm: https://www.cinemayence.de/kuso.html




Filmbild Di, 13. – Sa, 17. Oktober 20:30 Uhr
Hei! Hej! Danmark
Giraffe
Spielfilm von Anna Sofie Hartmann, DK/D 2019, OmU, 87 Min.
Darsteller: Lisa Loven Kongsli, Jakub Gierszał u.a.
Ein Tunnel soll gebaut werden, um Dänemark und Deutschland zu verbinden. Veränderung liegt in der Luft. Die Ethnologin Dara ist vorübergehend aus Berlin in ihre alte Heimat zurückgekehrt, um die Geschichten der Orte und Existenzen, die einem bevorstehenden Tunnelbau nach Deutschland weichen müssen.

Ein dänischer Sommer: lange Tage werden zu blauen Nächten. Menschen begegnen sich, dann trennen sich ihre Wege wieder.

Dara begegnet Käthe, die auf der Fähre arbeitet und Inselbewohner mit ihren Geschichten und Waren hin und her bringt; Birte und Leif, die ihr über Generation vererbtes Haus verlassen; Agnes mit ihren Sammlerstücken und den Wänden ihres Hauses, das bald abgerissen wird. In einer Gruppe polnischer Arbeiter, die Glasfaberkabel verlegen, begegnet sie Lucek.

In diesem Moment kommen nicht nur zwei Figuren zusammen, die sich auf etwas Ungewisses und wahrscheinlich Flüchtiges einlassen. Der Film selbst bekommt eine neue Dimension. Denn die Veränderungen auf Lolland sind real. Es geht um Vorbereitungen für den nicht unumstrittenen Fehmarnbelt-Tunnel. Regisseurin Anna Sofie Hartmann lässt die Zusammenhänge von Ökonomisierung des Lebens und den Verlust der Lebenswelten als Hintergrund ihrer melodramatischen Liebesgeschichte spüren. Sie webt in ihrem Spielfilm ein loses Geflecht aus Geschichten, Bildern und Stimmen voller Schönheit.

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Filmbild Di, 20. – Sa, 24. Oktober 20:30 Uhr
Hei! Hej! Island
Weißer weißer Tag (Hvítur, hvítur dagur)
Spielfilm von Hlynur Pálmason, IS/DK/S 2020, OmU, 109 Min.
Darsteller: Ingvar E. Sigurðsson, Ída Mekkín Hlynsdóttir, Hilmir Snær Guðnason, Björn Ingi Hilmarsson
Island, ein alleinstehendes Haus an einem abgeschiedenen Ort in betörend schöner Landschaft. Mal schneit es, mal bricht die Wonne durch die Wolken, mal ist es Tag, mal Nacht. Mal grasen Pferde auf der Wiese, mal werkelt ein Traktor auf dem Grundstück, allmählich treten vereinzelt Menschen ins Bild.

Ingimundur baut für seine Tochter und ihre Familie ehemalige Stallungen zu einem Wohnhaus um. Rührend kümmert er sich um seine Enkelin Salka. Der wortkarge Mann ist ein beurlaubter Polizeikommissar, der nur gelegentlich mit seinen ehemaligen Kollegen spricht – so als sei nichts gewesen.

Seit seine Frau bei einem Autounfall an der Küste Islands gestorben ist, verdächtigt Ingimundur einen Mann, eine Affäre mit seiner verstorbenen Frau gehabt zu haben. Seine obsessiven Nachforschungen und Wahnvorstellungen stellen die Beziehungen zu seinen Nächsten – insbesondere zu seiner geliebten Enkelin – zusehends auf die Probe. Seine Liebe lässt die Trennlinie zwischen Leben und Tod im Weiß des isländischen Nebels mythisch leugnen und überschreiten.

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Filmbild Sa, 10. Oktober 20:30 Uhr
Hei! Hej! Filme aus dem Norden
Kurzfilmabend (Wdh. vom 10.10.)
ausverkauft!
12 unterhaltsame Kurzfilme aus Schweden, Finnland und Norwegen, ca. 100 Min. mit Moderation
Mit Programmbegleitung von Reinhard W. Wolf
Speziell für das Kultursommer-Programm haben wir eine unterhaltsame Auswahl nordischer Kurzfilme zusammengestellt. Unter anderem gleich zwei Filme mit dem unvergleichlich komischen finnischen Performer M. A. Numminen (... IN DER SAUNA s. Bild, ... SINGT WITTGENSTEIN). Aus Norwegen kommt die SKADENSMELDING eines Bauarbeiterunfalls – ein Film voller Schadenfreude.

Insgesamt sind es 12 kurze Filme, von denen keiner länger als 14 Minuten ist. Der Schwerpunkt liegt bei Filmen aus Schweden (weil es in unserem Programm nicht mit einem Langfilm vertreten ist). Darunter ultrakurze Filme mit trockenem schwedischen Humor wie SHIT HAPPENS, SHIT HAPPENS AGAIN und EIN ZAUBERHAFTER ABEND. Unbedingt sehenswert auch: der international erfolgreichste schwedische Film der Gegenwart THE BURDEN von Niki Lindroth von Bahr und ZWISCHENFALL VOR EINER BANK des bekannten Regisseurs Ruben Östlund (HÖHERE GEWALT, THE SQUARE).

Details zu den Filmen hier: https://www.cinemayence.de/kurzfilmtag.html



FilmBild Mi, 28. – Sa, 31. Oktober 20:30 Uhr
Hei! Hej! Grønland
Lykkelænder (The Raven and the Seagull)
Semi-Dokumentarisches Filmessay von Lasse Lau, DK/Grönland 2016, OmU, 71 Min.
Endlose Schneelandschaften, blaue schimmernde Nächte, kristallenes Eis und fantastische Luftaufnahmen von weißen Gletschern. So stellt man sich Grönland vor: menschenleer und ein Ziel für Abenteurer. Der Film erzählt von Grönland aber nicht als Fantasiegebilde, sondern als einem Ort, an dem Menschen leben und arbeiten. Moderne und Tradition stehen nebeneinander, widersprechen oder ergänzen sich. Schamanentrommel und iPhone, weiße Gletscher und Bürohäuser, Kajaks und Schnellboote.

Lasse Lau' Film ist ein kunstvoll-poetischer Dokumentarfilm über das Verhältnis zwischen Dänemark und der ehemaligen Kolonie Grönland. »Ich möchte das Schweigen über die Beziehung Dänemarks zu Grönland brechen. Deshalb musste ich meine Perspektive untersuchen – die dänische. Und diese ist von Unwissenheit und Ideen über die Grönländer durchdrungen, die nicht mehr aktuell sind. Das möchte ich aufzeigen«, sagt der Regisseur selbst über LYKKELÆNDER.

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VORSCHAU

Di, 3. – Fr, 6. November 20:30 Uhr
Indigene Umwelt- und Menschenrechte
Die Stimme des Regenwaldes
Spielfilm von Niklaus Hilber, CH/A 2019, OmU, 142 Min.
Dies ist die wahre Geschichte von Bruno Manser. 1984 reist Bruno Manser auf der Suche nach einer Erfahrung jenseits der Oberflächlichkeit der modernen Zivilisation erstmals in den malaysischen Teil des Dschungels von Borneo. In einem der ältesten Regenwälder der Welt ist er auf der Suche nach den letzten Nomaden der Erde.
Manser trifft auf eine Penan-Sippe und folgt dieser in respektvoller Distanz. Häuptling Along Sega nimmt Manser wie einen Sohn unter seine Fittiche und bringt ihm alles bei, was es für ein Leben im Dschungel braucht. Eine junge Penan-Frau, Ubung, verliebt sich in den weissen Besucher, doch Manser hält sich zurück, da er weiß, dass er Ubung früher oder später wieder verlassen muss.
Als die Penan von massiver Abholzung des Waldes in ihrem Jagdgebiet bedroht werden, ändert sich auch Mansers Situation. Manser erfährt, dass der größte Teil der Penan-Gebiete durch die Regierung zur Rodung freigegeben wurde. Mit dem Export von Tropenholz nach Europa soll Malaysia zu einer Industrienation aufsteigen. Manser überzeugt Sega und die Penan, für ihr Land zu kämpfen. Er selbst interveniert in Europa. Bei der Europäischen Gemeinschaft fordert er einen Importstopp von Tropenholz und verhandelt mit den Tropenholzhändlern. Obwohl er in Malaysia inzwischen Staatsfeind Nr. 1 ist, entschließt er sich, für ein Kartierungsprojekt heimlich in den Dschungel Sarawaks zurückzukehren. Er ist voller Hoffnung, dass die Penan mit der Kartierung ihrer Gebiete ihre Rechte durchsetzen werden. Als sich Manser zu anderen Penan-Sippen aufmacht, um sie über das Kartierungsprojekt zu informieren, verschwindet er spurlos im Dschungel ...
Statement des Regisseurs
»Bruno Manser war der bekannteste Umwelt- und Menschenrechtsaktivist der 1980er und 1990er Jahre. Trotzdem ist seine Geschichte auch heute – fast 20 Jahre nach seinem Verschwinden – so relevant wie noch nie: Die zunehmende Globalisierung und der steigende Bedarf an natürlichen Rohstoffen machen den Schutz des Regenwaldes und seiner indigenen Bevölkerung zu einem noch dringlicheren Thema. Faszinierend an Mansers Geschichte war für mich, dass er selbstlos für eine Sache gekämpft hat, die moralisch gerecht ist, obwohl er immer wieder sabotiert wurde, zuerst von den Behörden in Malaysia und später von denen Europas (Niklaus Hilber)



Sa, 7. November 19:30 Uhr
FILMZ Symposium: Fassbinder heute
Die Dritte Generation
Spielfilm von Rainer Werner Fassbinder, D 1979, 105 Min.
Einführung von Prof. Dr. Marc Siegel
Als »Komödie in sechs Teilen« kündigt sich Fassbinders DRITTE GENERATION in den ersten Momenten an. Jeder der sechs Teile wird mit einem Zitat eröffnet: Inschriften aus öffentlichen Toiletten. Noch bevor die tatsächliche dritte Generation der RAF in den 1980er Jahren aktiv wurde, schließt sich in Fassbinders Film eine Gruppe junger Menschen zusammen, die – ohne wirkliche politische Ideen – Terrorakte zu planen und auszuführen beginnt und schließlich in den Untergrund flieht. Nachdem die Förderung für den Film storniert wurde, soll Fassbinder diesen selbst produziert und sich dadurch verschuldet haben. Besetzt mit einigen von Fassbinders wiederkehrenden Darstellern, wirft DIE DRITTE GENERATION einen schwarzhumorigen Blick auf den Terror der RAF, der zu dieser Zeit noch keine entfernte Erinnerung in der BRD war.


So, 8. November 20:00 Uhr
FILMZ Symposium: Fassbinder heute
Lili Marleen
Spielfilm von Rainer Werner Fassbinder, D 1981, 120 Min., 35mm-Filmkopie
Zürich, wir schreiben das Jahr 1938. Eine deutsche Barsängerin und ein jüdischer Schweizer Komponist verlieben sich ineinander. Er hilft Juden und Flüchtlingen, aus dem Nazi-Deutschland zu fliehen. Sie bietet ihre Hilfe an, wird daraufhin aber zurück nach Deutschland geschickt. Sie wird mit dem Soldatenlied Lilli Marleen reich und berühmt, ihre eigene Liebesgeschichte endet aber tragisch. Frei gestaltet nach Lale Andersens berühmten Lied LILI MARLEEN, schuf Fassbinder ein explosionsreiches Melodram.


Mo, 9. November 18:00 Uhr
FILMZ Symposium: Fassbinder heute
In einem Jahr mit 13 Monden
Spielfilm von Rainer Werner Fassbinder, D 1978, 119 Min.
Der, diesen Februar verstorbene, Volker Spengler spielt Elvira Weishaupt, eine Trans-Frau, die umherirrt und bei Menschen, mit denen sie vertraut war, nur auf Ablehnung stößt. Ihre emotionale Zerbrechlichkeit steht dabei der Kälte Frankfurts gegenüber. Fassbinder drehte den Film, nachdem sich sein ehemaliger Lebensgefährte Armin Meier nach der Trennung das Leben genommen hatte. IN EINEM JAHR MIT 13 MONDEN ist einer von Fassbinders persönlichsten und tragischsten Filmen.


Di, 10. November 20:30 Uhr 20:30 Uhr
Lebensrealitäten schwarzer Menschen
Wer wir sein wollten
Dokumentarfilm von Tatiana Calasans, D 2019, 65 Min.
anschl. Diskussion mit der Regisseurin. Eine Veranstaltung des Demokratiezentrums Rheinland-Pfalz
Vier Protagonisten*innen aus unterschiedlichen Bundesländern erzählen von ihren Erfahrungen als Schwarze Jugendliche in Deutschland in den 1990er Jahren und nehmen Bezug auf die Gegenwart. Es geht um Lebensrealitäten Schwarzer Menschen, Rollenbilder, Vorbilder und Erwartungen an BPOC. Wie wurden sie gesehen? Wer wollten sie sein? Was waren die Erwartungen der Gesellschaft? Welche Strategien haben sie für sich gefunden um damit umzugehen? Welchen Einfluss haben ihre Erfahrungen auf ihr Leben genommen? Der Film nimmt Bezug auf die Themen Identität und Rassismus und veranschaulicht die Verbindung von struktureller und individueller Ebene.
Die Filmemacherin
Tatiana Calasans ist in Brasilien (Salvador) geboren und kam im Alter von sieben Jahren nach Hamburg, wo sie heute arbeitet und lebt. Sie hat einen Diplomabschluss in Design an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft Hamburg und einen Bachelor im Bereich Film an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Bei Tatiana Calasans ist das Biographische der Motor ihrer künstlerischen und theoretischen Beschäftigungen mit eben dem Thema dieses Films: Rassismus und Lebensrealitäten von Schwarzen Menschen in Deutschland. Neben ihrer Arbeit als Filmemacherin, ist sie Mitorganisatorin und Koordinatorin der Black-History-Month-Hamburg Gruppe.



Do, 12. – Di, 17. November 20:30 Uhr
Französische Woche / Frauen weltweit
Woman
Dokumentarfilm von Anastasia Mikova und Yann Arthus-Bertrand, F 2020, OmU, 105 Min.
am 12.11. anschl. Diskussion in Kooperation mit SOLWODI Fachberatungsstelle Mainz
In WOMAN erzählen Frauen aus 50 Ländern ihre rührenden, bemerkenswerten und anregenden Geschichten, sprechen von Mutterschaft, Bildung, Sexualität, Ehe oder finanzieller Unabhängigkeit und über tabuisierte Themen wie Menstruation und häusliche Gewalt. Hunderte Geschichten kommen so zusammen, von Staatschefinnen und Bäuerinnen, von Schönheitsköniginnen und Busfahrerinnen, Geschichten von Frauen aus den abgeschiedensten Regionen der Welt und aus den modernsten Metropolen.
WOMAN ist es so gelungen, ein Bild davon zu zeichnen, was es in der heutigen Welt bedeutet, eine Frau zu sein und welchen Ungerechtigkeiten sie ausgesetzt sind.
Offizielle Filmseite (frz/engl): http://www.woman-themovie.org/
Filmseite des dt. Verleihs: https://mindjazz-pictures.de/filme/woman/
Kooperationspartner: Solwodi Mainz, AWO Migrationsberatung & Cardabela Buchladen Solwodi unterstützt als Fachberatungsstelle für Migrantinnen in Mainz (beratung-rlp@solwodi.de) seit ca. 30 Jahren Frauen in Gewalt- und anderen Notsituationen und freut sich nach dem Film ins Gespräch zu kommen. Vielleicht bekommen Sie Lust sich weiter zu informieren, deshalb erwartet Sie auch ein Büchertisch und Materialien!



Do, 19. – Sa, 21. November 20:30 Uhr
Frauen / Kapverden / Portugal
Vitalina Varela
Spielfilm von Pedro Costa, P 2019, OmU, 124 Min.
Vitalina kommt mit 55 Jahren endlich von den Kapverden nach Portugal. Über 20 Jahre wartete sie auf ein Flugticket, und nun kommt sie zu spät: ihr Mann ist drei Tage zuvor gestorben. Irritiert versucht sie, sich im Haus des Verstorbenen, das im Lissabonner Armenvorort Fontainhas steht, zurechtzufinden und sein Leben zu rekonstruieren. Sein Traum, sich in der Hauptstadt des ehemaligen Kolonialreichs eine Existenz aufzubauen, hat sich nicht erfüllt.
Während die Bewohner*innen des Viertels sie aufsuchen, reflektiert Vitalina ihre Zeit mit ihrem Mann, die gemeinsame und die getrennt verbrachte. Die Kameraden ihres Mannes sind selbst gescheiterte Existenzen, und auch der Priester der Gemeinde kann ihr keinen Trost spenden, da er eine schwere Schuld trägt und seinen Glauben schon lange verloren hat. In dieser Situation erweist sich Vitalina als starke Frau und eigenständige Persönlichkeit, die sich von der sie umgebenden Mutlosigkeit nicht zermürben lässt ...
Mit VITALINA VARELA führt der portugiesische Filmemacher Pedro Costa seine Kinokunst zu neuen Höhen. Wie kunstvolle Gemälde schälen sich die Filmbilder aus dem Dunkel der Leinwand. Ein hypnotischer Bilderstrom, der die Laiendarsteller*innen, mit denen Costa teilweise seit Jahren zusammenarbeitet, in eine bewegende Geschichte einbettet.
Filmseite des dt. Verleihs: https://grandfilm.de/vitalina-varela/




Di, 24. + Mi, 25. November 20:30 Uhr
Künstlerinnen / Frankophilie
Paris Calligrammes
Essay von Ulrike Ottinger, D/F 2019, 129 Min.
„Ich war 20 Jahre jung und mit dem festen Ziel nach Paris gekommen, eine große Künstlerin zu werden“, so setzt die Erinnerung Ottingers ein. In ihrem filmischen Kalligramm ('Figurengedicht') stellt sie sich der Herausforderung, einen Film zu machen „aus der Perspektive einer sehr jungen Künstlerin, an die ich mich erinnere, mit der Erfahrung einer älteren Künstlerin, die ich heute bin“.
In einem dichten Strom aus akustischem und visuellem Archivmaterial, verknüpft mit eigenen künstlerischen und filmischen Arbeiten, lässt Ottinger Saint-Germain-des-Prés und Quartier Latin mit ihren Literatencafés und Jazzkellern, die Begegnung mit Vertretern des jüdischen Exils, das Zusammenleben mit ihren Künstlerfreunden, die Gedankenwelt der Pariser Ethnologen und Philosophen, die politischen Umwälzungen des Algerienkrieges und des Mai 68 und das Erbe der kolonialen Zeit wieder aufleben. „Ich folgte den Spuren meiner Heldinnen und Helden“, erzählt Ottinger, „und wo immer ich sie fand, werden sie in diesem Film erscheinen.“
Auf der Suche nach dem Fremden wird Ulrike Ottinger später nach China, in die Mongolei und nach Alaska reisen, doch seinen Anfang nimmt ihr Weg zur Weltensammlerin auf den Straßen und in den Cafés von Paris.
Hintergrund
»Der Film PARIS CALLIGRAMMES vereint meine persönlichen Erinnerungen an die 1960er Jahre mit einem Porträt der Stadt und einem Soziogramm der Zeit. Der Ariadnefaden durch den Film ist ein Gang durch Paris mit vielen Stationen, an denen jeweils ein Thema in nicht chronologischer Form aufgegriffen wird. In der Tradition der Flanerie suche ich Brennpunkte der Stadt auf, die für mich persönlich wie auch für die 1960er Jahre bedeutsam waren, da sich dort entscheidende politische Ereignisse abspielten, wichtige kulturelle und künstlerische Begegnungen stattfanden oder sich neue soziale Formen des Lebens entfalteten.« (Ulrike Ottinger)



Mi, 09. Dezember 20:00 Uhr
Film und Diskussion / Tag der Menschenrechte
Das Fest des Huhnes
Mockumentary von Walter Wippersberg , A 1992, 56 Min.
Einführung von Gifty Amo Antwi, Weltladen Unterwegs (Mainz)
Veranstalter: AK Asyl – Flüchtlingsrat Rheinland-Pfalz e.V.; Aktiv für Flüchtlinge RLP, AWO Bezirksverband Rheinland e.V. - Fachdienst für Migration Mainz, Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz, Weltladen Unterwegs (Mainz)
Das Verfahren vieler weißer Forscher, die nach Afrika reisen, um ethnologische Studien zu betreiben und anschließend in Dokumentarfilmen die Gewohnheiten und Gebräuche schwarzer Stämme zu interpretieren, hat Walter Wippersberg umgedreht: In seiner Geschichte verschlägt es einen schwarzafrikanischen Forscher nach Oberösterreich. Die Kirchen, einst wichtiger Versammlungsort sind leer - dafür drängen sich die Ureinwohner ob der Enns in einem riesigen Zelt zusammen. Dort trinken sie gewaltige Mengen einer gelblichen Flüssigkeit und vertilgen hauptsächlich Hühner. Worauf der Forscher eine Sensation wittert. Das weiße Volk hat ein neues Götzenbild: Das Huhn hat das Lamm abgelöst.